Peers at work

Im DB-Konzern ist ein innovatives Pilotprojekt gestartet, um an Depression erkrankte Mitarbeiter zu unterstützen. Dazu stehen künftig sogenannte „Kollegiale Depressionsbegleiter“ (in Kliniken und Praxen bekannt als Peer-Berater), die in der Vergangenheit selbst Erfahrungen mit der Erkrankung gemacht haben, anderen Betroffenen auf ihrem Weg zu Hilfe und Behandlung beratend zur Seite. Die Volkskrankheit Depression kann jeden in jedem Unternehmen treffen. Über die Förderung des Fonds soziale Sicherung (EVG und DB AG) nimmt der DB Konzern hiermit für seine Mitarbeiter eine Vorreiterrolle im betrieblichen Gesundheitsmanagement ein.

Von Kollegen für Kollegen

„Kollegiale Depressionsbegleiter“ sind Mitarbeiter, die selbst erfahren haben, welche Hürden sich bei einer Depressionserkrankung ergeben können. Sie werden durch Experten der Stiftungsfamilie BSW & EWH und der Stiftung Deutsche Depressionshilfe geschult und fachlich unterstützt, um andere betroffene Kollegen zu beraten. In Zusammenarbeit mit allen betrieblichen Ebenen soll ein niedrigschwelliger Zugang zu frühzeitiger Hilfe entstehen. Das Ziel ist, den Betroffenen wirksame Entlastung und Orientierung zu bieten. Gleichzeitig soll das Vorhaben auch den betrieblichen Interessen gerecht werden und nachhaltige gemeinsame Lösungen zwischen Betroffenen und dem Unternehmen ermöglichen. Dabei können Beratungstermine auch außerhalb des direkten Arbeitsumfeldes stattfinden. Das BSW stellt hierzu Räumlichkeiten zur Verfügung. Das Konzept stützt sich auf die erfolgreiche Arbeit sogenannter „Peer-Berater“, die als erfahrene Betroffene bereits im Umfeld von Praxen und Kliniken unterstützend tätig sind.

Angst, Schamgefühle und krankheitsbedingte Faktoren wie ein verminderter Antrieb reduzieren das Hilfesuchverhalten Betroffener; auch wissen viele Erkrankte nicht, an wen sie sich wenden sollen. Die Verzögerung eines Behandlungsbeginns erhöht bei Depression das Risiko eines ungünstigen Krankheitsverlaufs. Ebenso entscheidend ist die Unterstützung Betroffener während der Behandlung und der anschließenden Wiedereingliederung ins Arbeitsleben. Dazu kommt, dass etliche den Gang zum Arzt scheuen oder sich schwer damit tun, ihre Beschwerden offen zu beschreiben. Oftmals ist es einfacher, mit Menschen zu sprechen, die ebenfalls einmal von Depressionen betroffen waren oder sind. Hinzu kommt, dass erfahrene betroffene Kollegen zudem das Arbeitsumfeld bestens kennen und auch hier als Lotse konkret weiterhelfen können.

Aktiv gegen die Volkskrankheit Depression

Psychische Erkrankungen stellen mit über 17 Prozent den zweithäufigsten Grund für Arbeitsunfähigkeit dar (DAK Gesundheitsreport, 2016). Beinahe die Hälfte der gesundheitsbedingten Frühverrentungen basieren auf einer psychischen Erkrankung. Depression ist die häufigste psychische Erkrankung: Jeder fünfte Bundesbürger ist statistisch gesehen ein Mal im Leben von einer Depression betroffen. Von der großen Zahl depressiv Erkrankter erhält jedoch nur eine Minderheit eine optimale Behandlung, dies belegen aktuelle Studien (z.B. Trautmann et al. (2017), Deutsches Ärzteblatt Int 114(43): S. 721-728). Oftmals müssen Patienten lange Wartezeiten überbrücken, bis sie einen Termin beim Facharzt oder Psychotherapeuten erhalten und eine adäquate Behandlung erfahren. Aufgrund dieser angespannten Versorgungslage kommt unterstützenden Angeboten in Betrieben eine wichtige Bedeutung zu.


Eine Kooperation von:

Kontakt


Iris Alt, Ansprechpartnerin Peers@Work (Foto: privat)

Iris Alt, M.A.
Projektkoordination peers@work
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Semmelweisstraße 10
04103 Leipzig
Tel: 0341/97 24 541
Fax: 0341/97 24 595
Iris.Alt@medizin.uni-leipzig.de