Spendenkonto:
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Konto: 3474200
BLZ: 86020500
IBAN: DE73860205000003474200 SWIFT / BIC: BFSWDE33LPZ
Bank für Sozialwirtschaft

FAQ

Frequently Asked Questions

Häufig gestellte Fragen zum Thema Depression



Fast jeder Mensch fühlt sich einmal niedergeschlagen und antriebslos. Ab wann spricht man von einer Depression?
Normale Stimmungsschwankungen lassen sich in aller Regel klar von einer Depression abgrenzen. Um von einer Depression zu sprechen, müssen ganz bestimmte Krankheitszeichen vorliegen – und zwar über mindestens zwei Wochen. Es gibt drei Kernsymptome: gedrückte Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit sowie ein reduzierter Antrieb.

Was sind die Ursachen für eine Depression? Wodurch wird sie ausgelöst?
Meist kommen mehrere Risikofaktoren psychologischer, biologischer oder sozialer Natur zusammen. Biologische Risikofaktoren sind beispielsweise in den Genen, in spezifischen Eiweißen oder in Botenstoffen des Körpers zu finden. Nicht nur die Botenstoffe des Gehirns wie das Serotonin, sondern auch Botenstoffe des Hormonsystems und des Immunsystems spielen eine wichtige Rolle bei der Depressionsentstehung. Auch die Persönlichkeit eines Menschen kann einen „Risikofaktor“ darstellen. Dabei spielen negative Denkmuster und Probleme mit dem Selbstwertgefühl eine wichtige Rolle. Auch wenn häufig ein schlimmes Lebensereignis vom Patienten als Auslöser benannt werden kann, sind die wirklichen Gründe meist vielfältig und vielschichtig.

Woran erkenne ich als Laie eine Depression?
Wenn ein Mensch dauernd niedergeschlagen ist, wenn er sich schlecht zu etwas aufraffen kann und kein Interesse an Dingen zeigt, die ihm sonst Freude bereitet haben, sind das Hinweise auf eine mögliche Depression. Hinzu kommen weitere Symptome, die individuell unterschiedlich ausgeprägt sind, zum Beispiel Schlafstörungen, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, Konzentrationsschwäche, Denkhemmung, Energielosigkeit oder vermindertes sexuelles Interesse. Zudem können vermehrt Gedanken über Tod und Suizid in den Vordergrund treten.

Was kann ich als Angehöriger tun, um einem depressiv Erkrankten zu helfen?
Angehörige sollten den Betroffenen unbedingt darauf ansprechen und ihm dabei helfen, professionelle Hilfe aufzusuchen. Oft hilft es einem Erkrankten, wenn ein Angehöriger einen Termin ausmacht und ihn dann auch zum Arzt begleitet, denn krankheitsbedingt schaffen viele Betroffene das nicht alleine. Aber auch wenn die Diagnose Depression gestellt wurde, sind Angehörige sehr wichtig: Sie können im Alltag helfen, die Behandlung unterstützen und dem Betroffenen immer wieder zeigen „Ich bin für dich da“.

Wie wird eine Depression behandelt?
Eine Depression wird mit Medikamenten und Psychotherapie, zum Beispiel einer Verhaltenstherapie, behandelt. In manchen Fällen können auch andere Therapieverfahren wie zum Beispiel eine Elektrokrampftherapie, Lichttherapie oder eine so genannte Wachtherapie zum Einsatz kommen.

Machen Antidepressiva abhängig?
Dies ist eine weit verbreitete Annahme, aber falsch. Antidepressiva machen nicht abhängig. Sie normalisieren bei depressiven Patienten die Stimmung, haben aber bei Gesunden keine relevante Wirkung. Sie sind also nicht dazu geeignet, bei Gesunden Glücksgefühle oder ein Hochgefühl auszulösen.

Was bedeutet Psychotherapie im Falle einer Depression?
Neben der medikamentösen Behandlung ist die Psychotherapie die zweite zentrale Säule der Depressionsbehandlung. Bei Depression hat sich die sogenannte „kognitive Verhaltenstherapie“ besonders bewährt. Dabei geht es beispielsweise um die Strukturierung des Tages, den Aufbau angenehmer Aktivitäten, aber auch um die Veränderung negativer Einstellungen und automatischer Gedanken, die bei Depressionen meist auftreten.

Ist eine Depression wirklich heilbar oder wird sie durch die Behandlung nur unterdrückt?
Die einzelne Episode einer depressiven Erkrankung ist in der Regel gut behandelbar. Nach der Akutbehandlung geht die Therapie weiter: Dann steht der Schutz vor einem Rückfall im Vordergrund.

Was taugen frei verkäufliche Medikamente wie Johanniskraut-Extrakt und andere?
Die Wirksamkeit ist hier unterschiedlich, in jedem Fall sollte dazu ein Facharzt konsultiert werden.

Kann eine Depression erblich bedingt sein?
Eine Depression kann erblich mitbedingt sein. Allerdings spielen die Gene nicht die alleinige Rolle, sondern sie tragen nur zum Risiko bei, an einer Depression zu erkranken.

Gibt es so etwas wie eine Winterdepression?
Ja, das gibt es. Die Symptome sind bei einer Winterdepression etwas anders: Die Patienten haben häufig einen gesteigerten Appetit, einen regelrechten „Kohlenhydrat-Heißhunger“, und sie schlafen auch vermehrt. Seit rund zwanzig Jahren kennt man den Zusammenhang zwischen Lichtmangel und einer so genannten „Winter-Depression“. Dafür stehen heute mit Lichttherapie, Antidepressiva und Psychotherapie wirksame Behandlungsmethoden zur Verfügung. Auch regelmäßige, körperliche Bewegung wie Spazierengehen oder sportliche Aktivitäten im Freien wie Jogging, Walking, Radfahren oder Skilanglauf können vorbeugen oder helfen, aus dem Stimmungstief herauszukommen.

Abgesehen vom Hausarzt – an wen kann ich mich wenden?
Neben dem Hausarzt als erste Anlaufstelle stehen Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Nervenheilkunde oder Psychosomatische Medizin und Psychotherapeuten als Ansprechpartner zur Verfügung. Hilfe und Beratung zu verschiedenen Anlaufstellen und Angeboten bietet auch der sozialpsychiatrische Dienst vor Ort, an den sich sowohl Betroffenen wie auch Angehörige wenden können.

Können auch Kinder oder Jugendliche depressiv erkranken?
Ja, auch schon bei Kindern und Jugendlichen kann eine depressive Erkrankung auftreten, ist allerdings oft nicht einfach zu erkennen. Bei Jugendlichen beispielsweise kann es auch durch die Pubertät bedingt zu einem Wechselbad der Gefühle kommen. Wenn ein Jugendlicher aber traurig, resigniert und hoffnungslos ist, viel grübelt und sich immer mehr von anderen zurückzieht, sollte dies unbedingt abgeklärt werden, zum Beispiel durch einen Kinder- und Jugendpsychiater.

Übernimmt die Krankenversicherung die Kosten der Behandlung?
In der Regel übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Behandlung. Bei der Psychotherapie gilt dies für die so genannten Richtlinienverfahren, zu denen die Verhaltenstherapie zählt. Im Zweifelsfall sollte man sich bei der Krankenkasse erkundigen.

Muss der Arbeitgeber über die Diagnose Depression in Kenntnis gesetzt werden?
Grundsätzlich hat der Arbeitgeber kein Recht und keinen Anspruch, Diagnosen seiner Mitarbeiter zu erfahren – egal um welche Krankheit es sich handelt. Im Einzelfall muss aber abgewogen werden, ob eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes, eine berufliche Wiedereingliederung oder andere therapeutische Maßnahmen, bei denen der Arbeitgeber mitwirken kann, günstig für den Betroffenen sind. Ob also der Arbeitgeber informiert wird, sollte ein Patient selbst entscheiden. Bei dieser Entscheidung werden ihm sein Arzt, sein Therapeut, ein Sozialarbeiter, seine Angehörigen oder andere Betroffene gerne helfen.

Wie können Kollegen und Angehörige mit der Erkrankung umgehen?
Wie bei jeder schweren Erkrankung sollten Menschen mit einer depressiven Erkrankung zum Arzt gehen. Dies kann der Hausarzt sein, oft wird aber eine fachärztliche Behandlung durch einen Psychiater oder Nervenarzt sinnvoll sein, insbesondere, wenn die depressive Symptomatik, die ja immer mit dem tiefen Gefühl der Erschöpfung oder „Burnout“ verbunden ist, sich nicht bessert.


Nur erschöpft oder wirklich krank?
Zur Begriffsverwirrung von Depression und Burnout




Was sind die konkreten Symptome des Burnout-Syndroms?
Es gibt keine international akzeptierte Diagnose Burnout und auch keine klaren Diagnosekriterien, so dass hierunter sehr Unterschiedliches verstanden werden kann. Meist wird von Burnout gesprochen bei einem Zustand großer Erschöpfung, verbunden mit innerer Unruhe, Schlafstörungen, dem Gefühl der Überforderung und auch der gefühlsmäßigen Überlastung. Das sind allerdings Krankheitszeichen, die alle auch im Rahmen depressiver Erkrankungen auftreten.

Wo liegen die Unterschiede zwischen einer Depression und einem Burnout?
Von Depression spricht man, wenn Krankheitszeichen wie tiefsitzende Freudlosigkeit, Schwunglosigkeit, gedrückte Stimmung, Schuldgefühle, Schlafstörungen, Appetitstörungen, Hoffnungslosigkeit und einige andere für mindestens zwei Wochen vorliegen. Allgemein akzeptierte Kriterien für die Diagnose „Burnout“ existieren hingegen nicht. Oft ist damit „nur“ eine Erschöpfung wegen Überarbeitung gemeint. Dann hilft meist ein Urlaub und kürzer zu treten. Versteckt sich aber eine nicht erkannte Depression hinter dem klangvollen Namen „Burnout“, ist das irreführend und kann sogar gefährlich werden. Beispiel: Bei einer Depression ist langer Schlaf eher depressionsfördernd und Schlafentzug ein etabliertes Behandlungsverfahren. Auch ist dringend davon abzuraten, mit einer depressiven Erkrankung in den Urlaub zu fahren. Denn die Depression reist mit, und der seelische Zustand wird in der fremden Umgebung als noch unerträglicher erlebt.

Wo liegen die Unterschiede in der Therapie? Wo kann es Probleme geben?
Wissenschaftlich untersuchte Behandlungen des Burnouts liegen schon deswegen nicht vor, weil es hierfür keine klaren Diagnosekriterien gibt. Es fehlen wissenschaftlich stringente Therapiestudien.

Warum wird dann beides häufig in einen Topf geworfen?
„Burnout“ passt zur Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Sie fühlen sich erschöpft und von dem Begriff angesprochen. Zudem gilt ein Burnout als in der Leistungsgesellschaft eher akzeptiert. Ein depressiv Erkrankter fühlt sich zwar auch erschöpft, es kommen aber weitere Krankheitszeichen hinzu. Zudem ist die Ursache meist nicht eine Arbeitsüberlastung sondern vielleicht ein Partnerschaftskonflikt oder ein Verlusterlebnis. Selbst positive Veränderungen im Leben wie ein Umzug, eine bestandene Prüfung oder eine Beförderung können Auslöser sein. Doch in vielen Fällen lässt sich gar kein Auslöser der Erkrankung identifizieren.

Welche Personengruppen sind besonders gefährdet?
Depressionen, und das ist sehr häufig die hinter Burnout stehende Erkrankung, können jeden treffen. Sie sind keineswegs häufiger bei Menschen, die im Hochleistungsbereich stehen, auch Frauen mit Belastung sowohl durch Beruf als auch durch Kinder, sind nicht häufiger erkrankt als Frauen ohne diese Doppelbelastung. Auch Rentner und Studenten sind ähnlich häufig depressiv erkrankt wie Arbeitstätige.

Besteht für Betroffene Aussicht auf vollkommene Heilung?
Wenn hinter dem Begriff Burnout sich eine Depression versteckt, so ist eine konsequente antidepressive Behandlung mit Antidepressiva, Psychotherapie oder beidem entscheidend für den Krankheitsverlauf. Die meisten Menschen, die in eine depressive Krankheitsphase gerutscht sind, kann geholfen werden und die Depression klingt wieder ab. Allerdings bleibt ein erhöhtes Risiko, im weiteren Lebensverlauf erneut in eine Depression zu rutschen, bestehen.

Was raten Sie Betroffenen?
Bei anhaltendem Erschöpfungsgefühl und Verlust der Lebensfreude sollte die Diagnose von einem Arzt gestellt werden. Hier ist neben dem Hausarzt der Nervenarzt oder Psychiater zuständig. Hinter Erschöpfungszuständen können auch Erkrankungen wie Schilddrüsenfunktionsstörungen oder chronische Infektionen stecken.

Was sind geeignete Präventionsmaßnahmen?
Für die meisten Menschen ist Arbeit eher protektiv und depressionsvorbeugend. Bei leichten Depressionen kann es vorteilhaft, wenn der Erkrankte bei reduziertem Arbeitspensum im Arbeitsrhythmus bleibt, anstatt tagsüber grübelnd im Bett zu liegen. Es gibt Betriebe, die sich flexibel auf die Situation einstellen und die depressiven Mitarbeitern ein entsprechendes Angebot machen können. Ist mit Burnout lediglich ein Erschöpfungssyndrom bei zu wenig Schlaf und zu viel Arbeit gemeint, so ist entsprechend dem gesunden Menschenverstand Ausschlafen und Urlaubmachen natürlich das Richtige. Hierfür braucht man keine medizinische Behandlung.

Der Begriff Burnout kursiert mehr denn je in den Medien. Liegt das an der drastisch steigenden Zahl der Betroffenen oder kann es andere Gründe geben?
Ob es zu einer Zunahme der Depressionen oder der Menschen mit einem Burnout kommt ist völlig offen. Bereits früher waren Depressionen sehr häufig, nur wurde weniger darüber gesprochen. Die Zunahme der Zahl der Depressionsdiagnosen in den Statistiken der Rentenversicherungsträger und der Kassen ist darauf zurückzuführen, dass erstens sich mehr Menschen in den letzten Jahrzehnten Hilfe holen als früher, zweitens Ärzte Depressionen besser erkennen und drittens Depressionen besser benennen und nicht so häufig hinter Ausweichdiagnosen wie chronischer Rückenschmerz, Fibromyalgie oder chronischem Kopfschmerz verstecken. Insofern ist Burnout sehr häufig eine modisch gewordene Ausweichdiagnose. Dafür, dass es nicht zu einer drastischen Zunahme depressiver Erkrankungen in den letzten 30 Jahren gekommen ist, spricht der sehr harte und im Grunde sensationelle Befund, dass die Zahl der Suizide von 18.000 Anfang der 80er Jahre auf heute etwa 10.000 sich fast halbiert haben, vermutlich weil sich eben mehr Menschen mit Depressionen Hilfe holen und diese auch erhalten.

 

 

 

 

 

 

 

FAQ