Was ist eine Depression?
Depression ist eine ernsthafte Erkrankung, die Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst. Auch Körperfunktionen wie Schlaf und Appetit können gestört sein. Betroffene leiden erheblich und sind je nach Schweregrad in Schule, Beruf und Privatleben eingeschränkt.

Symptome und Diagnose der Depression
Depression gehört zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen. Sie können jeden treffen, unabhängig von z.B. Alter, Herkunft oder Beruf. Die Diagnose „Depression“ wird gestellt, wenn über zwei Wochen oder länger mindestens fünf Symptome vorliegen. Eins davon muss ein „Hauptsymptom“ sein.
Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention, über die Symptome einer Depression.
Kriterien der Depression
Hauptsymptome
-
Gedrückte, depressive Stimmung
Depression geht oft mit einer niedergeschlagenen, gedrückten Stimmung einher. Manche Betroffene berichten auch von innerer Leere und der Unfähigkeit, überhaupt eigene Gefühle wahrnehmen zu können. Auch traurig sein und Weinen sind dann manchmal nicht mehr möglich. Betroffene fühlen sich wie versteinert.
-
Interessen- oder Freudlosigkeit
Bei einer Depression verlieren viele Menschen das Interesse an Dingen, die ihnen früher gefallen oder etwas bedeutet haben. So machen beispielsweise Hobbys, der Beruf, Freizeitaktivitäten oder Zeit mit Freunden oder Familie keine Freude mehr. Das Interesse daran ist „verloren gegangen“.
Zusatzsymptome
-
Antriebsmangel bzw. erhöhte Ermüdbarkeit
Bei einer Depression ist häufig der Antrieb gestört, d.h. Betroffene können sich nur schwer aufraffen. Selbst alltägliche Dinge wie Einkaufen, Aufräumen, zur Schule oder Arbeit gehen, können große Überwindung kosten, schnell zu Ermüdung führen und zum Teil auch nicht bewältigt werden. Auch das Treffen von Entscheidungen fällt schwer: Betroffene haben das Gefühl, wofür sie sich auch entscheiden, es ist falsch.
-
Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
In einer Depression ist oft die Konzentration vermindert. Betroffene können ihre Aufmerksamkeit nicht mehr lange auf eine Sache richten. So kann es beispielsweise schwerfallen, ein Buch zu lesen, auch wenn die Person es möchte. Manche Betroffene können sich auch schlechter erinnern, was vor kurzem passiert ist. Vor allem ältere Menschen mit Depression machen sich dann Sorgen, zum Beispiel an einer Alzheimer-Demenz erkrankt zu sein.
-
Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit und vermindertes Selbstwertgefühl
Von Depression betroffene Menschen suchen die Schuld meist bei sich selbst. Sie haben das Gefühl, die Fürsorge anderer gar nicht zu verdienen. Auch sind Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen in einer Depression fast immer beeinträchtigt. Typische Überzeugungen sind beispielsweise „Ich kriege nichts hin.“, „Ich bin eine Enttäuschung“ und ähnliche.
-
Hoffnungslosigkeit in Bezug auf die Zukunft
Depression ist meist von dem Gefühl begleitet, aus der Situation nicht mehr herauszukommen. Betroffene sehen häufig keinen Ausweg mehr und glauben nicht daran, dass ihnen mit einer Behandlung geholfen werden kann („Es wird nie wieder besser.“).
-
Suizidgedanken/-handlungen
Menschen mit Depression empfinden ihre Situation oft als aussichtslos und ausweglos. Dadurch kann der Wunsch entstehen, dieser Lage zu entkommen – bis hin zu Gedanken an Suizid.
-
Schlafstörungen
Auch Schlafstörungen, meist Einschlafstörungen und ein frühes Erwachen sind ein typisches Symptom einer Depression. Manche Menschen mit Depression schlafen auch mehr als sonst.
-
Veränderter Appetit
Bei einer Depression ist oft auch der Appetit verändert. Oft schmeckt das Essen nicht mehr, was zu Gewichtsverlust führen kann. Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein: der Appetit ist größer als sonst, vor allem auf süße und kohlenhydratreiche Lebensmittel.
-
„Psychomotorische Unruhe“ oder Verlangsamung
In einer Depression können Betroffene auch an einer ausgeprägten inneren Unruhe leiden. Sie können sich kaum entspannen, fühlen sich getrieben und gehen zum Beispiel ständig auf und ab. Auch das Gegenteil kann auftreten und Betroffene wirken in ihrer Bewegung oder Sprache deutlich verlangsamt.
Auch körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Ohrensausen (Tinnitus) können auftreten und auf eine Depression hinweisen. Bei verschiedenen Betroffenen kann sich die Depression unterschiedlich äußern und nicht immer sind alle Symptome vorhanden. Je nach Stärke der Symptome und der damit verbundenen Einschränkung im täglichen Leben wird zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer Depression unterschieden.
Bei einer schweren Depression können auch Wahnvorstellungen auftreten („psychotische Depression“). Hier handelt es sich um deutlich überzogene, nicht mit der Realität übereinstimmende Sorgen oder Befürchtungen. Diese beziehen sich meist auf die Themen Krankheit (sichere Überzeugung, tödlich oder unheilbar krank zu sein), Verarmung (sich oder die Familie finanziell ruiniert zu haben) oder Schuld (in der Vergangenheit schwerste Schuld auf sich geladen zu haben, die nicht wieder gut zu machen ist). Verfolgungswahn hingegen ist bei Depression eher untypisch. Wahnhafte Depressionen bedürfen meist einer stationären Behandlung.
Erkennen Sie einige der genannten Symptome bei sich oder anderen wieder? Hier geht's zum Selbsttest Depression.
Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten allein von der Erkrankung befreien. Aber es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten und mit ärztlicher und psychotherapeutischer Hilfe ist Depression gut behandelbar. Erste Anlaufstellen finden Sie hier.
Geschlechtsspezifische Unterschiede in den Symptomen
Die Symptome der Depression sind bei Frauen und Männern recht ähnlich. Frauen geben durchschnittlich jedoch eine höhere Anzahl an Symptomen an als Männer und einigen Studien zufolge zeigen Männer häufiger untypische Symptome. Dazu zählen gereiztes oder aggressives Verhalten und ein häufigerer Griff zu Alkohol, Zigaretten und anderen Drogen.
Körperliche Erkrankungen können depressive Symptome verursachen
Andere Erkrankungen können ebenfalls zu depressiven Symptomen und damit zu Verwechslungen führen wie z.B.:
- Schilddrüsenüber- oder -unterfunktionen
- Autoimmunerkrankungen (z.B. Multiple Sklerose)
- Tumorerkrankungen
- Medikamentöse Neben- oder Wechselwirkungen
- Hirnerkrankungen (z. B. Epilepsie, Alzheimer)
Daher ist eine ärztliche Untersuchung unverzichtbar.
Erfahrungsbericht | Etienne, 32
Neben den negativen Gedanken nichts mehr wert zu sein, den Schuldgefühlen sowie den dauerhaften Grübelgedanken waren die Schlafstörungen besonders schlimm.
Neben den negativen Gedanken nichts mehr wert zu sein, den Schuldgefühlen sowie den dauerhaften Grübelgedanken waren die Schlafstörungen besonders schlimm.
Häufigkeit
Depression gehört zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Insgesamt sind 8,2 %, d. h. 5,3 Mio. der erwachsenen Deutschen (18 – 79 Jahre) im Laufe eines Jahres an einer unipolaren Depression erkrankt. Diese Zahl erhöht sich noch einmal um Kinder, Jugendliche und Menschen über 79 Jahre, die in dieser Studie nicht erfasst sind, aber ebenfalls an Depression erkranken können.
Auf die Lebensspanne betrachtet, ist verschiedenen Studien zufolge etwa jeder 5. bis 6. Erwachsene mindestens einmal von einer Depression betroffen. Frauen erhalten eine Depressionsdiagnose doppelt so häufig wie Männer.
Verschiedene Formen der Depression
Depression hat „viele Gesichter“ und kann unterschiedlich verlaufen. Es gibt also nicht nur eine einzige Diagnose für Depression. Die häufigste Erkrankungsform ist die unipolare Depression. Das ist eine depressive Störung, bei der eine depressive Phase („Episode“),
- entweder nur einmal im Leben auftritt oder
- häufiger als einmal (wiederkehrende oder „rezidivierende“ depressive Störung) oder
- langanhaltend vorliegt („Dysthyme Störung“)
Bei einer bipolaren Störung (auch manisch-depressive Erkrankung) kommt es neben depressiven Phasen auch zu Phasen mit gehobener Stimmung.
Unipolare Depression
Am häufigsten treten einzelne und wiederkehrende depressive Episoden auf. Die Dauer einer solchen Episode kann unterschiedlich lang sein: von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Das ist oft davon abhängig, wie schnell eine Behandlung einsetzt. Treten im Verlauf des Lebens mehrere depressive Episoden auf, wird die Diagnose "rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung" gestellt. Dies ist bei der Mehrheit der Betroffenen der Fall. Zwischen den Episoden klingen die Beschwerden vollständig oder teilweise ab. Die Zeit zwischen den Episoden kann unterschiedlich lang sein. Es gibt Dinge, die man selbst tun kann, um das Risiko zu verringern, dass erneut eine depressive Episode auftritt (Rückfallprophylaxe).
Dysthyme Störung
Bei der Dysthymen Störung sind die depressiven Symptome weniger stark ausgeprägt, dafür aber über einen langen Zeitraum vorhanden. Für eine Diagnose müssen die Symptome mindestens zwei Jahre lang vorliegen.
Saisonal bedingte Depression (Winterdepression)
Von saisonal bedingter Depression (auch Winterdepression genannt) wird gesprochen, wenn sich Symptome einer depressiven Episode ausschließlich und wiederholt zu einer bestimmten Jahreszeit, typischerweise im Herbst und Winter zeigen. Neben den klassischen Symptomen einer Depression treten atypische Symptome wie Heißhunger statt Appetitverlust und vermehrter Schlaf statt Ein- und Durchschlafstörungen auf. Viele Studien weisen darauf hin, dass die Lichttherapie besonders bei saisonal bedingter Depression wirkt.
Bipolare Störung
Bei dieser Erkrankung kommt es neben den depressiven Episoden auch zu „manischen Episoden“. Die manischen Phasen gehen mit gehobener Stimmung einher, oft verbunden mit starkem Tatendrang, Ruhelosigkeit, fehlendem Schlafbedürfnis, übersteigertem Selbstwertgefühl oder auch erhöhter Risikobereitschaft. Manische Phasen können, manchmal über Nacht, wieder in depressive Phasen umkippen. Eine schnelle und konsequente medikamentöse Behandlung ist bei dieser Form der Depression besonders wichtig. Bipolare Störungen sind deutlich seltener als die depressiven Störungen mit ausschließlich depressiven Episoden.
Verwendete Literatur
Angst J, Gamma A, Gastpar M et al. (2002) Gender differences in depression: Epidemiological findings from the European DEPRES I and II studies. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci 252: 201–209. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12451460/
Jacobi F, Höfler M, Strehle J et al. (2016) Erratum zu: Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul „Psychische Gesundheit“ (DEGS1-MH). Nervenarzt 87: 88–90. https://doi.org/10.1007/s00115-015-4458-7
Möller-Leimkühler AM, Bottlender R, Strauß A et al. (2004) Is there evidence for a male depressive syndrome in inpatients with major depression? J Affect Disord 80: 87–93. https://doi.org/10.1016/S0165-0327(03)00051-X
Treit F, Zillich L, Frank J et al. (2021) Lifetime and current depression in the German National Cohort (NAKO). World J Biol Psychiatry. Online ahead of print. https://doi.org/10.1080/15622975.2021.2014152
Weltgesundheitsorganisation (2019) Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 11. Revision (ICD-11). Genf: WHO. https://icd.who.int

