Suizidalität
Suizidgedanken (Suizid = Selbsttötung) sind ein häufiges Symptom bei Depression. Sie machen die Krankheit oft lebensbedrohlich. Menschen, die an Depression leiden, verlieren oft jede Hoffnung auf Besserung und empfinden ihr Leid als unerträglich. Aus diesem Grund kann der Wunsch entstehen, so nicht mehr leben zu wollen. Im Folgenden finden Sie Informationen für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen.
Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten, die nächste psychiatrische Klinik oder wählen Sie den Notruf unter 112.
Für Menschen mit Suizidgedanken
Bei einer Depression und auch anderen psychischen Erkrankungen kann es zu Krisen kommen, in denen Menschen nicht mehr leben möchten. Diese lebensmüden Gedanken sind oft sehr belastend und können Scham- oder Schuldgefühle auslösen.
Wichtig: Wenn Sie aktuell Suizidgedanken haben, ist es wichtig, schnellstmöglich Hilfe zu suchen.
Den allermeisten Betroffenen kann gut geholfen werden: Mit einer erfolgreichen Behandlung der psychischen Erkrankung wie einer Depression lassen die Suizidgedanken nach.
Erste Anlaufstellen bei Krisen oder Suizidgedanken:
- hausärztliche oder psychiatrische Praxis
- Psychotherapeut/ Psychotherapeutin
Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden, können Sie sich rund um die Uhr an
- die nächste psychiatrische Klinik wenden
- den Notruf unter 112 wählen
- auch ein Krisendienst bietet schnelle Hilfe (Bayrischer Krisendienst, Berliner Krisendienst, für die anderen Bundesländer geben Sie Ihren Wohnort + "Krisendienst" in die Suchmaschine ein)
Zudem können Sie sich auch telefonisch oder per Chat an die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei wenden unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222. Zu Stoßzeiten kann es möglich sein, dass Sie die Telefonseelsorge nicht sofort erreichen. Versuchen Sie es dann erneut oder wählen Sie bei akuter Lebensgefahr den Notruf unter 112.
Hinweise auf eine akute Krisensituation sind:
-
Suizidgedanken drängen sich auf
d.h. Sie müssen daran denken, ohne zu wollen, die Gedanken kommen immer wieder „von selbst“ und Sie können die Gedanken schlecht beiseiteschieben
-
Sie haben konkrete Ideen, wie Sie sich das Leben nehmen würden
d.h. eine Methode, Zeit, Ort
- Sie haben entsprechende Vorbereitungen getroffen
- Sie standen schon einmal kurz davor oder haben bereits einen Suizidversuch unternommen
- In Ihrer Familie hat sich schon einmal jemand das Leben genommen
Sprechen Sie die Suizidgedanken bei den Behandlern deutlich an!
Manchmal fällt es schwer, die Gedanken überhaupt in Worte zu fassen. Hilfreich kann es sein, sich vor dem Termin mit einem Arzt oder Psychotherapeuten zu überlegen, was Sie sagen wollen und dies aufzuschreiben z.B. „In letzter Zeit bin ich so verzweifelt, dass ich manchmal Gedanken habe, mir etwas anzutun.“
In kritischen Situationen fällt es oft schwer, klar zu denken. In solchen Situationen kann auch ein Krisenplan helfen. Dieser beinhaltet z.B. konkrete Kontaktdaten von Menschen, die Ihnen helfen können. Sie finden hier eine Vorlage für einen Krisenplan zum Download.
Für Angehörige
Suizid: Welche Alarmzeichen sollten Angehörige ernst nehmen?
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Suiziddrohungen und -ankündigungen
Das Vorurteil, dass sich ein Mensch, der von Selbsttötung spricht, nichts antut ist falsch. Nehmen Sie Suizidankündigungen deshalb immer ernst.
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Große Hoffnungslosigkeit und Äußerungen wie:
„Es hat alles gar keinen Sinn mehr...“, „Irgendwann muss mal Schluss sein...“, „Ich kann/ will so nicht mehr weitermachen…“, „Ich habe keine Kraft mehr…“ sind bei depressiven Menschen Hinweise auf eine ernste Gefährdung.
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Angelegenheiten ordnen, Abschied nehmen
Viele Menschen möchten vor einem Suizid ihre Angelegenheiten ordnen. Beispielsweise verschenken sie Wertgegenstände, setzen ihr Testament auf oder verabschieden sich von ihren Freunden und Verwandten.
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Trügerische Ruhe
Wer fest zum Suizid entschlossen ist, wirkt oft ruhiger, gefestigter und weniger verzweifelt. Das Umfeld kann zu dem trügerischen Schluss kommen, es gehe mit der Person endlich wieder aufwärts.
Was können Sie tun, wenn Sie einen akut suizidgefährdeten Menschen kennen?
Sprechen Sie das Thema an!
Wenn Sie den Verdacht hegen, dass ein Freund oder Angehöriger suizidgefährdet ist, sollten Sie ihn in ruhiger und sachlicher Weise darauf ansprechen. Die Befürchtung, man könne dadurch den Suizid erst provozieren, ist falsch. In aller Regel stellt es für einen suizidgefährdeten Menschen eine Entlastung dar, mit einer anderen Person über die quälenden Gedanken sprechen zu können.
Ziehen Sie professionelle Hilfe hinzu!
Versuchen Sie sich nicht als Therapeut, sondern unterstützen Sie den Betroffenen, professionelle Hilfe zu suchen. Vereinbaren Sie für den Betroffenen einen zeitnahen Termin beim Hausarzt oder dem behandelnden Facharzt für Psychiatrie oder der Psychotherapeutin. Nutzen Sie dafür auch die Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung unter der Rufnummer 116117.
Wenn Ihr Angehöriger sich in einer akuten Krise befindet, ist schnelle Hilfe notwendig. Sie können sich rund um die Uhr an
- die nächste psychiatrische Klinik wenden
- den Notruf unter 112 wählen
- auch ein Krisendienst bietet schnelle Hilfe (Bayrischer Krisendienst, Berliner Krisendienst, für die anderen Bundesländer: geben Sie Ihren Wohnort + "Krisendienst" in die Suchmaschine ein)
Zudem können Sie sich auch telefonisch oder per Chat an die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenfrei wenden unter 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222. Zu Stoßzeiten kann es möglich sein, dass Sie die Telefonseelsorge nicht sofort erreichen. Versuchen Sie es dann erneut oder wählen Sie bei akuter Lebensgefahr den Notruf unter 112.
Organisieren Sie sofort Hilfe, wenn:
- Suizidgedanken sich aufdrängen, d.h. die Person daran denken muss, ohne zu wollen, die Gedanken immer wieder „von selbst“ kommen und er/sie die Gedanken schlecht beiseiteschieben kann.
- die Person konkrete Ideen hat, wie er/sie sich das Leben nehmen würde (d.h. Methode, Zeit, Ort).
- er/sie entsprechende Vorbereitungen getroffen hat.
- die Person schon einmal kurz davor stand oder hat bereits einen Suizidversuch unternommen hat.
- in seiner/ihrer Familie sich schon einmal jemand das Leben genommen hat.
Wenn ein oder mehrere Anzeichen zutreffen, kann das ein Hinweis auf eine akute Krise sein. Zeigen Sie dem betroffenen Menschen, dass Sie an seiner Seite sind und organisieren Sie ärztliche Hilfe. In einer akuten Situation ist es wichtig sein, Verantwortung für die betroffene Person zu übernehmen. Wenden Sie sich dafür umgehend an den behandelnden Arzt oder die behandelnde Psychotherapeutin oder die nächstgelegene psychiatrische Klinik.
Wirkt eine Person stark gefährdet und ist nicht bereit, gemeinsam Hilfe aufzusuchen, verständigen Sie den Notruf unter 112. Beschreiben Sie die Situation so klar wie möglich und bleiben Sie bei der betroffenen Person, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Jede gewonnene Minute kann helfen – denn der Wunsch zu sterben ist häufig ein vorübergehender Zustand. Selbst in sehr belastenden Lebensphasen kann der Lebensmut wiederkehren.
Für Suizid-Trauernde
Einen nahestehenden Menschen durch Suizid zu verlieren, gehört zu den schmerzlichsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann. Die Selbsttötung geschieht für die Hinterbliebenen oft unerwartet und bringt zusätzliche Belastungen mit sich, die bei anderen Todesarten nicht auftauchen. Der Schmerz geht oft einher mit der Frage nach dem „Warum“, mit Schuldgefühlen, tiefer Verzweiflung und Wut auf den Verstorbenen. Hinterbliebene stellen sich die quälende Frage, ob man den Suizid nicht hätte vorhersehen oder verhindern können.
Sie sind nicht allein. Suchen Sie sich Unterstützung für diese schwere Zeit.
Hilfe finden Sie bei diesen Anlaufstellen:
Für Fachpersonen und Medienschaffende
Häufigkeit
In Deutschland versterben jährlich über 10.000 Menschen durch Suizid. Das sind mehr Menschen als im Verkehr, durch Drogen, Mord und an AIDS zu Tode kommen (Statistisches Bundesamt 2024). Die Zahl der Suizidversuche ist nach Schätzungen der WHO (2014) bis zu 20–mal so hoch.
Todesursachen im Vergleich: Deutschland 2024
Suizidraten in Deutschland 2024 (je 100.000 Einwohner)
Zwei von drei Suiziden werden von Männern verübt. Insbesondere ältere Männer haben ein erhöhtes Risiko.
Anzahl der Suizide in Deutschland nach Alter und Geschlecht 2024
Ursachen und Risikofaktoren
Die Mehrheit der Menschen, die durch Suizid versterben, haben an einer psychiatrischen Erkrankung gelitten (90 %), am häufigsten an einer Depression. Daneben sind Schizophrenie und Suchterkrankungen ebenfalls mit einem erhöhten Suizidrisiko verbunden. Die erfolgreiche Behandlung der psychiatrischen Erkrankung stellt somit die beste Suizidprävention dar!
Kritische äußere Ereignisse, die mit großer Hoffnungslosigkeit verbunden sind wie Partnerschaftskonflikte, Schulden, Arbeitslosigkeit, chronische Erkrankungen oder Trennungen können suizidale Handlungen auslösen. Aber: Die Annahme, dass schwierige äußere Bedingungen allein ein Grund für Suizide sind, ist falsch. Zum einen reagiert nur ein kleiner Teil der Betroffenen mit suizidalem Verhalten, während die große Mehrheit der Menschen in der Lage ist, solche „Schicksalsschläge“ zu verarbeiten. Das zeigen auch wissenschaftliche Studien, in denen kein Zusammenhang von Suiziden und Arbeitslosigkeit oder Suiziden und dem Vorliegen einer schweren körperlichen Erkrankung gefunden wurde.
Suizidprävention
Depression ist die Hauptursache von Suiziden. Eine erfolgreiche Behandlung der Depression senkt das Risiko für suizidale Handlungen.
Das 4-Ebenen-Interventionsprogramm der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention ist das am häufigsten durchgeführte und am besten wissenschaftlich untersuchte Suizidpräventionsprogramm.
Für Medienschaffende: Suizidalität in den Medien
Den Medien kommt bei der Berichterstattung über Suizide und Suizidversuche eine große Verantwortung zu. Durch dramatisierende oder gar heroisierende sowie detaillierte Darstellung können bei suizidgefährdeten Menschen suizidale Handlungen ausgelöst werden. Erfahren Sie hier mehr zum Thema.
Verwendete Literatur
Hegerl U, Reich H, Schnitzspahn KM et al. (2024) Suizidalität: Frühzeitig erkennen. Dtsch Arztebl 121: 49–55. Suizidalität: Frühzeitig erkennen – Deutsches Ärzteblatt
Statistisches Bundesamt (2021) Todesursachenstatistik. Suizidzahlen. https://www.gbe-bund.de
World Health Organization (2014) Preventing suicide: A global imperative. Genf: WHO. https://www.who.int/publications/i/item/9789241564779


