Depression in verschiedenen Lebenslagen
Depression ist eine Erkrankung, die jeden treffen und prinzipiell in allen Lebensphasen auftreten kann. Auch Kinder und Jugendliche und ältere Menschen können erkranken, ebenso wie Menschen im Berufsleben oder Frauen während und nach der Schwangerschaft. Manche Menschen erkranken nur in den Herbst- und Wintermonaten an Depression.

Depression im Kindes- und Jugendalter
Leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Im Vorschulalter sind ca. 1 % der Kinder und im Grundschulalter ca. 2 % betroffen. Es erkranken etwa 5-12% aller Jugendlichen an einer Depression. Im Jugendalter erkranken Mädchen dreimal so häufig wie Jungen. Bei Kindern und Jugendlichen kommt es häufig vor, dass die Depression mit weiteren psychischen Erkrankungen, wie z.B. Angststörungen, Essstörungen und ADHS einhergeht.
Zu den Symptomen einer Depression im Kindes- und Jugendalter: Prof. Dr. Dr. Martin Holtmann
Symptome
Die Symptome im Kindes- und Jugendalter ähneln den Symptomen bei Erwachsenen, unterscheiden sich jedoch je nach Alter und Entwicklungsstand. Grundsätzlich kann eine Depression bei Kindern und Jugendlichen folgende Anzeichen haben, die mindestens seit zwei Wochen bestehen müssen:
- Traurige oder niedergeschlagene Stimmung
- Wenig Antrieb oder Energie
- Schnell gereizt oder genervt
- Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren
- Wenig Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein
- Häufige Schuldgefühle oder das Gefühl, nichts wert zu sein
- Negative Gedanken über die Zukunft oder Hoffnungslosigkeit
- Selbstverletzung und /oder Gedanken daran, nicht mehr leben zu wollen
- Schlafprobleme und wenig Appetit
Je nach Alter des Kindes äußert sich die Depression vor allem oder zusätzlich zu den oben genannten Anzeichen durch folgende Symptome:
Kleinkind- und Vorschulalter (1-6 Jahre):
- Spielunlust
- schnelle Entmutigung
- mangelnde Fantasie
- erhöhte Reizbarkeit
- wirkt traurig, ausdrucksarmes Gesicht
- mangelnde Fähigkeit, sich zu freuen
- gestörtes Essverhalten: wählerisches Essverhalten, verminderter/gesteigerter Appetit
- Ein- und Durchschlafstörungen, Früherwachen, Alpträume
Schulalter:
- Aufmerksamkeitsprobleme
- Körperliche Symptome (Kopf- und Bauchschmerzen)
- Lernprobleme
- Verschlechterung der schulischen Leistung
- Impulsdurchbrüche
- Wutausbrüche
Jugendalter:
- Aufmerksamkeitsprobleme, Leistungsstörungen und Schulprobleme
- Abnehmende Motivation
- tageszeitabhängige Schwankungen des Befindens
- psychosomatische Beschwerden (z.B. Kopfschmerzen)
- Sozialer Rückzug
- Bei Mädchen eher vorherrschend: Schuldgefühle, Selbstwertprobleme, Ängste
- Bei Jungen eher vorherrschend: Verhaltensprobleme, Wut, Aggression
- Suizidhandlungen
Ursachen
Auch bei Kindern und Jugendlichen hat Depression mehrere Ursachen. Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die eine Erkrankung begünstigen können, zum Beispiel genetische. Das heißt, wenn ein Elternteil an Depression erkrankt ist oder war, haben die Kinder ebenfalls ein erhöhtes Risiko. Auch Faktoren wie ein niedriges Einkommen oder schlechtere Bildungschancen, erlebte Traumata, Mobbing, ein belastetes Familienklima oder dauerhaftes Stresserleben erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken.
Diagnostik
Eine Depression bei Kindern und Jugendlichen wird häufig erst spät erkannt. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
- Depression zeigt sich je nach Alter und Entwicklungsstand anders, wodurch die Symptome oft nicht einer Depression zugeordnet werden (z.B. Spielunlust bei Kleinkindern).
- Die Abgrenzung depressiver Symptome von typischen Phänomenen im Jugendalter kann schwierig sein, wie z.B. Stimmungseinbruch und Rückzug.
- Außerdem scheuen manche Familien sich, ihr Kind wegen psychischer Probleme fachärztlich untersuchen zu lassen.
Die Diagnose wird durch ärztliches und psychotherapeutisches Personal gestellt (Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater/-psychotherapeut). Dafür wird auch immer das Umfeld, z.B. Eltern, Lehrer, Erzieher und weitere Bezugspersonen in die Beurteilung mit einbezogen. Häufig kommen auch Fragebögen zum Einsatz sowie ausführliche Gespräche. Außerdem werden mithilfe einer Untersuchung der Blutwerte organische Ursachen ausgeschlossen.
Behandlungsmöglichkeiten
Eine Behandlung erfolgt meist ambulant in den Praxen von niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendpsychiatern. Die Behandlung umfasst:
- eine alters- bzw. entwicklungsgerechte Aufklärung des Kindes/Jugendlichen sowie der Eltern über die Erkrankung
- Psychotherapie unter Einbeziehung von Familie und weiteren Bezugspersonen, (erste Wahl ist Kognitive Verhaltenstherapie)
- zusätzlich eine medikamentöse Behandlung, wenn eine Psychotherapie allein nicht zur gewünschten Besserung führt
- Interventionen in der Familie (ggf. einschließlich Familientherapie)
Bei schwereren Verläufen kann auch eine Behandlung in einer Tagesklinik oder stationär in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie erfolgen. Das ist meist dann notwendig, wenn die Betroffenen akute suizidale Gedanken haben, die Familien sie nicht unterstützen, oder der Alltag nicht mehr bewältigt werden kann.
Suizidalität
Auch wenn Suizide im Kindesalter sehr selten sind, so stellen sie in der Altersgruppe von 10-25 die häufigste Todesursache dar. Suizidale Gedanken sind ein Symptom der Depression: Bei Jugendlichen besteht bei Depression ein bis zu 20-fach erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten (Suizidversuch/vollendeter Suizid).
Jungen versterben im Vergleich zu Mädchen dreimal so häufig durch Suizid, Hauptrisikogruppe für Suizidversuche sind hingegen Mädchen und junge Frauen. Neben psychischen Erkrankungen sind ein früherer Suizidversuch, Erfahrungen mit diesem Thema im Freundes- und Familienkreis und negative Lebensereignisse weitere Risikofaktoren für Suizidalität. Die Suizidalität sollte immer ernst genommen und angesprochen werden.
Lesen Sie hier mehr zu dem Thema Suizidalität.
Neben Suizidalität kann im Kontext von Depression auch nicht suizidales selbstverletzendes Verhalten eine Rolle spielen. Darunter versteht man die absichtliche Verletzung des eigenen Körpers ohne Suizidabsicht. Selbstverletzendes Verhalten tritt häufig im Jugendalter auf, der Beginn liegt meist zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr. Ein solches Verhalten kann für betroffene Personen unterschiedliche Funktionen erfüllen, z.B. der Abbau von Anspannung und negativen Gefühlen, um zwischenmenschliche Schwierigkeiten zu bewältigen oder sich zu bestrafen. Durch die Selbstverletzung erleben Betroffene oft eine kurzfristige Entlastung. Langfristig kommt es dann aber häufiger zu NSSV. Das NSSV tritt sowohl mit als auch ohne psychische Störungen auf, steht jedoch in enger Verbindung mit Depression und Angststörungen und ist ein bedeutsamer Risikofaktor für Suizidversuche. Deshalb ist es wichtig, dass das Umfeld NSSV offen, ruhig und ohne Druck anspricht, die Gefühle der betroffenen Person ernst nimmt und in professionelle Hilfe vermittelt. In einer Psychotherapie können alternative Strategien zur Emotionsregulation erlernt werden.
Anlaufstellen
Sich Hilfe zu holen, ist der erste und oft auch schwierigste Schritt. Mit Unterstützung kann es Betroffenen jedoch bald wieder besser gehen.
Erste Ansprechpartner sind
- Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte
- Hausärztinnen und -ärzte
- Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -therapeuten
- Schulsozialarbeiterinnen- und -sozialarbeiter
- Beratungslehrerinnen- und -lehrer
- Beratungsstellen vor Ort, wie z.B. beim Roten Kreuz, Caritas oder Diakonie
Manchmal ist es leichter, sich jemanden anonym anzuvertrauen:
- Kinder- und Jugendtelefon (116 111)
- Telefonseelsorge (0800 1110 111oder 0800 1110 222 oder 116123)
- Die Mailberatungen von Jugendnotmail und u25-Deutschland helfen auch weiter.
Weitere hilfreiche Links
FIDEO
FIDEO ist ein Online-Informationsangebot mit moderiertem Selbsthilfe-Chat für junge Menschen ab 14 Jahren zum Thema Depression.
Nummer gegen Kummer
Telefonische Beratung und Beratung per E-Mail für Kinder und Jugendliche von professionellen Beratern oder von Jugendlichen für andere Jugendliche. Außerdem telefonische Beratung für Eltern.
Ich-bin-alles.de
Website für Kinder und Jugendliche mit und ohne Depression sowie deren Angehörige. Informationen zum Thema Depression und psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen.
Elternratgeber Psychotherapie
Der Elternratgeber Psychotherapie der Bundespsychotherapeutenkammer will helfen, dass psychische Probleme erst gar nicht entstehen. Deshalb gibt er altersspezifische Empfehlungen für das Säuglings- und Kindesalter, das Kita-Alter, das Grundschulalter und das Jugendalter.
BKE
Zahlreiche Beratungsangebote der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung für Eltern und Jugendliche, Adressen von Beratungsstellen vor Ort, moderiertes Forum, Chats.
Youth-Life-Line
Online-Beratung von und für Jugendliche im Arbeitskreis Leben. Das Team aus jugendlichen Peer-Beratern und Fachkräften hilft Jugendlichen in Krisen.
[U25] Deutschland
Informationen und Online-Beratung für junge Menschen unter 25 Jahren in Krisen und bei Suizidgefahr. Kostenlose und anonyme E-Mail-Beratung durch ehrenamtliche Peer-Berater, die von Fachkräften unterstützt werden.
frnd.de
Informationen über Depression und Suizid bei jungen Menschen und jungen Erwachsenen.
JugendNotMail.de
Das Beratungsangebot von jugendnotmail.de ist eine kostenlose und anonyme Online-Beratung für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen oder in schwierigen Lebenslagen. Die Online-Beraterinnen und -Berater sind erfahrene, diplomierte Fachkräfte aus den Bereichen Psychologie, Sozialpädagogik und Soziale Arbeit mit Zusatzausbildungen.
jmd4you
Hilfe und Beratung per Chat und Mail für jungen Menschen mit Migrationshintergrund.
Krisenchat
Chatberatung per WhatsApp oder SMS für junge Menschen in der Krise.
Depression im Alter
Depression gehört neben dementiellen Erkrankungen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter. Zudem steigt das Suizidrisiko mit zunehmendem Alter, insbesondere bei Männern. Grundsätzlich unterscheidet sich die Altersdepression nicht von einer Depression in jüngeren Jahren. Es gibt jedoch einige Besonderheiten, die dazu führen können, dass Depression im Alter oft nicht oder spät erkannt wird.
Symptome
Die Symptome einer Depression im Alter sind die gleichen wie in anderen Lebensphasen mit alterstypischen Besonderheiten:
- Betroffene richten ihre Aufmerksamkeit häufig auf bestehende körperliche Beschwerden, die scheinbar den schlechten psychischen Zustand erklären.
- Ältere Menschen haben oft Schwierigkeiten, psychische Erkrankungen als echte Krankheiten zu akzeptieren – so wie körperliche Beschwerden.
- Depressive Symptome wie Hoffnungs- und Freudlosigkeit, Schlafstörungen oder Erschöpfungsgefühle werden oft als nachvollziehbare Reaktion auf die Bitternisse des Alters fehlinterpretiert.
- Mit Depression oft einhergehende Konzentrations- und Gedächtnisstörungen werden im Alter einer Alzheimer Demenz zugeschrieben.
Diagnostik
Die Diagnostik einer Depression wird von einem Arzt oder Psychotherapeuten vorgenommen. Zum Einsatz kann hier die speziell für ältere Patienten entwickelte „Geriatrische Depressionsskala“ (GDS) kommen. Zudem findet eine körperliche Untersuchung statt. Diese ist besonders umfassend, wenn die Depression im höheren Alter erstmalig auftritt und es zuvor im Leben keine depressiven Episoden gab. Mit einer Untersuchung des Gehirns (z.B. durch MRT) und einer sorgfältigen Labordiagnostik werden andere Ursachen z.B. Schilddrüsenerkrankungen, Durchblutungsstörungen oder Tumorerkrankungen ausgeschlossen.
Häufigkeit
Schwere Depressionen sind im Alter nicht häufiger, nach einigen Studien sogar weniger häufig als im jüngeren Erwachsenenalter. Während 8,1 % der Erwachsenen in Deutschland zwischen 18 und 79 Jahren an einer Depression erkrankt sind, sind es bei den über 65-Jährigen 5,9 %.
Allerdings sind leichtere Depressionen oder Depressionen, bei denen nicht alle Symptome vorliegen („subklinische Depression“) zwei bis drei Mal so häufig bei älteren Menschen zu finden. Auch diese Störungen gehen mit einer deutlichen Beeinträchtigung der Gesundheit und Lebensqualität einher.
Abgrenzung Depression und Demenz
Depressive Störungen können im Alter durch Sprech- und Denkhemmungen (d.h. Denken und Sprechen werden als „gebremst“ wahrgenommen), Konzentrationsstörungen und Gedächtnisstörungen Ähnlichkeiten mit einer Demenz aufweisen (depressive Pseudodemenz).
Dies erfordert im Alter die Abgrenzung von einer Demenz.
| Folgende Anzeichen sprechen eher für eine Depression: | Folgende Anzeichen sprechen eher für eine Demenz (Typ Alzheimer): |
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Die Untersuchung des Gehirns mit dem EEG oder mit Bildgebungsverfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können bei der Unterscheidung von Demenz und Depression hilfreich sein.
Behandlung
Eine Behandlung der depressiven Erkrankung ist bei älteren Patienten ebenso wichtig wie bei jüngeren Menschen. Psychotherapie und medikamentöse Therapie haben sich dabei als wirksam erwiesen.
Bei der medikamentösen Therapie ist eine sorgfältige Auswahl des Antidepressivums durch den Arzt wichtig, da häufig bereits mehrere Medikamente eingenommen werden und es zu Wechselwirkungen kommen kann. Auch wenn die medikamentöse Behandlung bei älteren Menschen komplizierter ist, so ist diese jedoch besonders wichtig. Depression ist im Alter, mehr noch als bei jüngeren Menschen, eine lebensbedrohliche Erkrankung. Bettlägerigkeit, verminderte Flüssigkeitszufuhr und v. a. bei älteren Männern ein drastisch erhöhtes Suizidrisiko sind Faktoren, die bei der Altersdepression eine besonders konsequente Behandlung erfordern.
Für die Psychotherapie, insbesondere für die kognitive Verhaltenstherapie, gibt es ebenfalls ausreichende Belege, dass diese auch bei älteren Menschen wirksam ist. Leider ist der Anteil über 60-jähriger Patienten in Psychotherapie noch sehr gering.
Suizidalität im Alter
Das Risiko an Suizid zu versterben, ist vor allem für ältere Menschen erhöht. Über 40 % aller Suizide werden von Menschen über 65 Jahren verübt. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt dagegen nur ca. 22 % (2022). Nicht erkannte und adäquat behandelte Depressionen tragen maßgeblich dazu bei.
Suizidraten in Deutschland je 100.000 Einwohner
Für Pflegekräfte und Angehörige ist wichtig:
- Ein Suizid geschieht meist als Folge einer psychiatrischen Erkrankung.
- Hinweise auf Suizidalität (z.B. Äußerungen wie „Ich kann nicht mehr“, „Ich will nicht mehr“) sind immer ernst zu nehmen und sollten angesprochen werden.
- Bei suizidalen Gedanken oder Verhalten ist ein Arzt oder eine Ärztin hinzuzuziehen.
- Die Behandlung einer Depression verringert das Suizidrisiko.
Die Gründe für die dramatische Zunahme des Suizidrisikos bei älteren Männern sind nicht vollständig geklärt. Ein Faktor dürfte zumindest sein, dass Depression bei älteren Menschen generell, aber insbesondere bei älteren Männern, häufig gar nicht oder nur sehr unzureichend behandelt wird.
Schaut man sich beispielsweise die psychotherapeutische Behandlung an, so sind gemäß Deutschlandbarometer Depression von 2019 31% der an Depression erkrankten Befragten zwischen 30 und 69 Jahren in psychotherapeutischer Behandlung. Bei den Betroffenen über 70 Jahren sind es nur 12%.
Oft wird auch davon ausgegangen, dass allein das Vorliegen einer schweren körperlichen Erkrankung, wie Schlaganfall, Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck, chronische Lungenerkrankungen oder Osteoporose das Risiko einen Suizid zu begehen erhöhe. Würden solche Erkrankungen vermehrt zu Suiziden führen, so müssten bei Suizidopfern diese Erkrankungen häufiger vorgelegen haben als bei Menschen, die sich nicht das Leben nehmen. Die Forschung zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Menschen, die sich das Leben nehmen, haben nicht deutlich häufiger an einer schweren Erkrankung, wie beispielsweise Krebs, gelitten. Vielmehr ist es wichtig, auch beim Vorliegen einer schweren körperlichen Erkrankung bezüglich Depression zu untersuchen und beim Vorliegen diese zu behandeln.
Lesen Sie hier mehr zu dem Thema Suizidalität.
Depression in der Schwangerschaft und nach der Geburt
Depressionen können in jeder Lebensphase auftreten – auch in Zeiten, die eigentlich mit Freude verbunden sind, wie Schwangerschaft und die erste Zeit mit dem Neugeborenen. Kurz nach der Geburt erleben viele Mütter den sogenannten „Baby Blues“ mit Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit und grundlosem Weinen. Diese Phase klingt meist nach wenigen Tagen von selbst ab. Halten die Symptome jedoch an, kann sich daraus eine Postpartale Depression entwickeln – eine ernsthafte Erkrankung.
Wochenbettdepression ist eine Erkrankung und kein Zeichen von Schwäche
Depressionen gehören rund um die Geburt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Unbehandelt können sie auch Auswirkungen auf das Kind haben, etwa ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten oder ein geringeres Geburtsgewicht. Die gute Nachricht: Auch in dieser Lebensphase sind Depressionen gut behandelbar. Entscheidend ist, frühzeitig professionelle Unterstützung zu erhalten – zum Wohl der Mutter und des Kindes.
Viele Frauen suchen jedoch keine Hilfe, oft aus Scham, Schuldgefühlen oder weil sie ihre Symptome nicht richtig einordnen können. Körperliche und emotionale Belastungen werden häufig als „normale Erschöpfung“ in Schwangerschaft oder Wochenbett missverstanden. Wichtig ist: Eine Wochenbettdepression hat nichts mit persönlichem Versagen zu tun. Sie ist eine behandelbare Erkrankung, und rechtzeitige Unterstützung kann viel bewirken.
Baby Blues
Bei über 50 % aller Mütter tritt in den ersten Tagen nach der Geburt der sogenannte „Baby Blues“ auf – eine vorübergehende, leichte depressive Verstimmung. Typisch sind Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Traurigkeit, häufiges Weinen sowie Schlaf- und Ruhelosigkeit. Meist beginnt der Baby Blues in der ersten Woche nach der Entbindung, dauert 2-3 Tage bis maximal 2 Wochen an und klingt dann von selbst wieder ab.
Halten die Symptome jedoch länger an, kann eine Postpartale Depression vorliegen, die behandelt werden muss.
Postpartale Depression
Im Gegensatz zum Baby Blues handelt es sich bei der prä- und postpartalen Depression um eine ernsthafte, länger andauernde psychische Erkrankung. Sie kann während der Schwangerschaft oder im ersten Jahr nach der Geburt auftreten. Etwa 10–15 % der Mütter sind betroffen.
Depressionen, die während der Schwangerschaft auftreten, werden präpartale Depressionen genannt. Treten sie nach der Geburt auf, spricht man von postpartalen Depressionen. Der Begriff peripartale Depression umfasst beide Formen.
Die Symptome entsprechen denen einer unipolaren Depression, weisen jedoch Besonderheiten auf:
- starke emotionale Labilität
- starke Selbstzweifel und Versagensängste (z.B. „Ich bin eine schlechte Mutter“)
- Unfähigkeit, positive Gefühle für das eigene Kind zu entwickeln bis hin zur Gefühllosigkeit
- übermäßige Sorgen um das Wohlergehen des Babys
- Zwangsgedanken (z. B. das Kind zu verletzen)
- Stillprobleme
Häufigkeit und Ursachen
Bei der Entstehung einer postpartalen Depression wirken mehrere Faktoren zusammen, beispielsweise die folgenden:
- Körperlich: Hormonelle Umstellungen, Komplikationen in der Schwangerschaft
- Psychisch: traumatische Geburt, Identitätsveränderung, verändertes Körperbild
- Sozial: mangelnde soziale Unterstützung, belastete Partnerschaft
- Gesellschaftlich: unrealistische Mutterbilder und Tabuisierung psychischer Belastungen
Generell gilt im Leben einer Frau die Zeit nach einer Geburt als Phase mit dem höchsten Risiko für eine psychische Erkrankung. Ein besonders hohes Risiko tragen Frauen, die schon vor der Schwangerschaft depressive Episoden erlebt haben.
Abgrenzung: Postpartale Psychose
Eine seltene, aber schwere Form ist die Postpartale Psychose (ca. 1–2 von 1.000 Müttern). Sie tritt meist innerhalb der ersten sechs Wochen nach der Geburt des Kindes auf und geht mit Wahnvorstellungen, Stimmenhören und anderen Halluzinationen sowie einem stark beeinträchtigten Realitätsbezug einher. Eine sofortige stationäre Behandlung ist hier notwendig – möglichst in einer Mutter-Kind-Klinik.
Behandlung
Je nach Schwere sind verschiedene Maßnahmen sinnvoll:
- Baby Blues: Aufklärung und Unterstützung durch das Umfeld können schon ausreichend sein.
- Peri- und Postpartale Depression: Eine frühzeitige professionelle Behandlung ist wichtig. Neben Psychotherapie kommen auch Medikamente zum Einsatz. Stillen ist in vielen Fällen trotz der Einnahme von Antidepressiva möglich. Wichtig ist dabei eine regelmäßige fachärztliche Unterstützung.
Ziel der Therapie ist neben der Linderung der Symptome auch die Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung. Besonders wirksam sind kognitive Verhaltenstherapie und interpersonelle Therapie. Auch Angehörige sollten einbezogen werden.
Weitere Hilfen können sein:
- Unterstützung durch Hebammen, Sozialarbeiterinnen oder Haushaltshilfen
- Selbsthilfe- oder Müttergruppen zur Förderung von Austausch und Alltagsbewältigung
- Online-Hilfen, z.B. Modul „Depressionen im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes“ des „Familiencoach Depression“ der AOK
- Bei schweren Fällen: stationäre Behandlung in spezialisierten Mutter-Kind-Kliniken
Anlaufstellen
Unterstützung finden Sie unter anderem unter folgenden Adressen:
Schatten und Licht e.V.
Auf der Webseite des Vereins finden Sie eine Liste mit Mutter-Kind-Kliniken, Beratungsangebote, Selbsthilfegruppen und einen Fragebogen zur Selbsteinschätzung.
Marcé Gesellschaft
Die Marcé Gesellschaft bietet eine Adressliste von Kliniken bei postpartalen psychischen Erkrankungen, Literaturtipps und weitere Links.
Embryotox
Die Informationsseite der Charité bietet Ärztinnen und Ärzten sowie im Gesundheitswesen Engagierten unabhängige Informationen zur Verträglichkeit von Medikamenten und zur Behandlung häufig vorkommender Krankheiten bei Müttern und werdenden Müttern in Schwangerschaft und Stillzeit.
Winterdepression
Trübes Wetter und dunkle verregnete Herbstnachmittage schlagen bei vielen Menschen auf die Stimmung. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es zu depressiven Erkrankungen kommen muss. Von saisonal bedingter Depression (auch Winterdepression genannt) wird gesprochen, wenn sich Symptome einer depressiven Episode ausschließlich und wiederholt im Herbst und Winter zeigen. Neben den klassischen Symptomen einer Depression treten atypische Symptome wie Heißhunger statt Appetitverlust und vermehrter Schlaf statt Ein- und Durchschlafstörungen auf.
Häufigkeit
Diese saisonal abhängige Depression ist meist weniger schwer ausgeprägt und weniger häufig als andere depressive Störungen. In nördlichen Ländern tritt sie häufiger auf als in südlichen Ländern. Bei der Mehrzahl der depressiven Erkrankungen im Winter handelt es sich nicht um eine Winterdepression, sondern die Betroffenen erleben auch in anderen Jahreszeiten depressive Episoden.
Behandlung
Viele Studien weisen darauf hin, dass die Lichttherapie besonders bei saisonal bedingter Depression wirkt. Dafür benötigt man nicht unbedingt spezielle Lichtlampen, ein täglicher ausgedehnter Spaziergang bei Tageslicht und im Freien ist meist ausreichend. Selbst an trüben Tagen entspricht der Lichteinfall draußen in etwa dem einer Therapielampe. Zusätzlicher Vorteil ist die Bewegung an der frischen Luft. Bei einer schweren Saisonal Abhängigen Depression reicht eine Lichttherapie aber in der Regel nicht aus. Zusätzlich ist dann meist eine medikamentöse sowie eventuell eine psychotherapeutische Behandlung notwendig.
Depression und Arbeit
Eine Depression beeinflusst nicht nur das persönliche Wohlbefinden, sondern häufig auch die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten führen dazu, dass viele Betroffene ihre Arbeit oft als kaum bewältigbar erleben. Dieser Überblick bietet Unternehmen und Betroffenen wichtige Informationen.
Was Unternehmen über Depression wissen sollten
Wenn sich Mitarbeitende plötzlich verändern oder typische Symptome zeigen, ist es für Unternehmen wichtig, diese Signale richtig einordnen und passende Unterstützung anbieten zu können.
Auswirkungen von Depression am Arbeitsplatz
Viele Vorgesetzte und Kollegen kennen das Phänomen: Mitarbeiter, die man über Jahre für ihr Engagement schätzen gelernt hat, scheinen plötzlich am Ende ihrer Kräfte zu sein: Konzentrationsprobleme, Motivationsverlust, Dünnhäutigkeit, Reizbarkeit, aber auch sozialer Rückzug können zu den äußerlich auffälligsten Veränderungen zählen. Ist ein Mitarbeiter überarbeitet oder aus anderen Gründen „gestresst“, so dass ihm etwas Entlastung guttun würde? Oder sind die Veränderungen Anzeichen einer depressiven Erkrankung? Wenn ja, was ist zu tun? Wer kann unterstützen? Ist eine Krankschreibung notwendig?
Die Daten deutscher Krankenversicherer und der Deutschen Rentenversicherung aus den letzten Jahren zeigen gestiegene Krankschreibungen und vorzeitige Verrentungen wegen Erwerbsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen, insbesondere Depression.
Krankschreibungen wegen einer psychischen Erkrankung haben in den letzten Jahrzehnten stetig zugenommen und sich seit 2000 mehr als verdoppelt:
Veränderungen der Krankschreibungen in relevanten Diagnosekapiteln
Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen sind zwar weniger häufig als zum Beispiel Atemwegsinfekte, aber sie sind mit überdurchschnittlich langen Ausfallzeiten verbunden, insbesondere Depression: So dauerte 2023 eine durchschnittliche Krankschreibung wegen Depression oft länger als 50 Tage. Eine Krankschreibung wegen einer Muskel-Skelett-Erkrankung wie Bandscheibenvorfall dauerte hingeben weniger als 18 Tage, Atemwegsinfekte zwischen 6 und 7 Tage:
Durchschnittliche Dauer der Krankschreibung 2023
Psychische Erkrankungen sind zudem die Hauptursache für Frühberentungen wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Über 40% der gesundheitsbedingten Frühverrentungen, d.h. beinah jede zweite, ist psychisch bedingt - am häufigsten aufgrund der Diagnose Depression.
Psyche statt Herz: Berentung wegen Erwerbsminderung
Ansatzpunkte zur Förderung der psychischen Gesundheit im Unternehmen
Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die durch Depressionen und andere psychische Erkrankungen entstehenden Kosten zu senken. Gleichzeitig haben sie auch eine Fürsorgepflicht, die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen.
Im Hinblick auf die Förderung der psychischen Gesundheit der Belegschaft sind zwei Bereiche getrennt zu betrachten: Auf der einen Seite stehen die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden („Wellbeing“) und die Reduktion von möglichen Risikofaktoren, wie Stress; auf der anderen Seite stehen Maßnahmen zum Umgang mit psychischen Erkrankungen.
Programme mit Elementen zur Stressreduktion oder der Förderung der Achtsamkeit können sehr sinnvoll sein, um das psychische Wohlbefinden zu stärken und das Risiko für psychische Belastungen zu senken. Da für die Entstehung von psychischen Erkrankungen wie Depression die individuelle, teils auch genetisch bedingte, Veranlagung und verschiedene weitere Faktoren entscheidend sind, ist eine Vorbeugung der Erkrankung im Sinne von klassischer Prävention schwierig (siehe auch „Welchen Einfluss hat die Arbeit auf die Entstehung einer Depression?“). Führungskräfte und Personalverantwortliche können aber psychisch erkrankte Mitarbeiter auf dem Weg in eine professionelle Behandlung unterstützen. Je früher eine vorliegende Depression erkannt und professionell behandelt wird, desto besser ist der Krankheitsverlauf.
Unternehmen können durch Handlungsleitfäden und Schulungen dafür sorgen, dass Vorgesetzte betroffene Mitarbeiter ansprechen und in Hilfe vermitteln. Hilfreich sind außerdem die Schaffung eines offenen Betriebsklima, in dem psychisch erkrankte Menschen nicht stigmatisiert werden sowie Wiedereingliederungsmaßnahmen.
Nehmen Depressionen zu?
Wichtig zu wissen ist, dass der medial erweckte Eindruck, dass es in Deutschland in den letzten Jahren zu einer Zunahme von Depressionen gekommen ist, nicht haltbar ist. Die erwähnte Zunahme basiert auf Statistiken der Krankenkassen zu diagnostizierten Depressionen. Ein Anstieg von Depressionsdiagnosen bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Depressionen häufiger werden. Wahrscheinlicher ist, dass Hausärztinnen und Hausärzte besser geschult sind und Depressionen häufiger korrekt diagnostiziert werden. Gleichzeitig scheint die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber psychischen Erkrankungen gestiegen zu sein. Das führt dazu, dass Betroffene sich eher Hilfe suchen und ihre Beschwerden offener ansprechen. Gleichzeitig werden Depressionen auch nicht mehr hinter weniger stigmatisierten Erkrankungen, wie chronischen Rückenschmerzen oder Tinnitus, versteckt.
Depressiv erkrankte Menschen, die früher vergeblich über Jahre wegen unterschiedlichster körperlicher Beschwerden beim Orthopäden oder Internisten waren, werden heute zielführender behandelt.
Die durch depressive Erkrankungen verursachten Kosten für Wirtschaft und Staat sind enorm, Tendenz steigend. Laut Wissenschaftlichem Institut der AOK (2024) kommen zu den direkten Krankheitskosten für Behandlungen, Medikamente und Krankenhausaufenthalte in Höhe von ca. 9,5 Milliarden Euro pro Jahr schätzungsweise weitere 11,8 Milliarden Euro durch den Ausfall an Bruttowertschöpfung im Zusammenhang mit Krankschreibungen.
Weitere volkswirtschaftliche Kosten entstehen durch Frühverrentung und eingeschränkte Produktivität und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter, die nicht krankgeschrieben sind. Depressionen mindern die Leistung und gehen mit erhöhten Fehlerquoten, vermindertem Durchhaltevermögen oder Vergesslichkeit einher.
Tipps für Unternehmen
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Basiswissen schaffen
Depression ist eine sehr häufige und schwere Erkrankung. Informieren Sie sich über die Symptome der Erkrankung, darüber, wer für die Behandlung zuständig ist und über mögliche Ansprechpartner für Betroffene unter www.deutsche-depressionshilfe.de/wissen oder im Rahmen unseres Schulungsangebots (Anforderungen von Informationen per E-Mail an [email protected]).
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Initiative ergreifen
Sprechen Sie den Mitarbeiter an, wenn Sie das Gefühl haben, dass er sich sehr verändert! Dabei sollten Sie keine Berührungsängste haben. Sprechen Sie Ihre Beobachtungen an und vermitteln Sie, dass Sie sich Sorgen machen (z.B. „Mir ist aufgefallen, dass Sie in der letzten Zeit oft niedergeschlagen wirken. Was ist los? Kann ich irgendetwas tun, um Sie zu unterstützen?”). Nähere Informationen dazu finden Sie auch in unserem Factsheet.
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Motivieren Sie den Betroffenen sich professionelle Hilfe zu holen
Erste Anlaufstellen sind der Hausarzt/die Hausärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie. Innerbetriebliche Angebote (betriebliche Sozialberatung, betriebsärztlicher Dienst und weitere) können ebenfalls genutzt werden.
Was Betroffene über Depression im Job wissen sollten
Viele Betroffene stellen sich im Arbeitskontext die Fragen: Welche Rolle spielt die Arbeit bei der Entstehung meiner Depression? Und sollte ich meine Erkrankung am Arbeitsplatz offen ansprechen? Die folgenden Informationen können bei der Orientierung unterstützen.
Welchen Einfluss hat die Arbeit auf die Entstehung einer Depression?
Entscheidend für das Auftreten einer Depression ist das Vorliegen einer entsprechenden Veranlagung. Diese kann genetisch bedingt sein oder z.B. durch Traumatisierungen in der Kindheit erworben werden. Liegt eine solche Veranlagung vor, können ganz verschiedene Lebensereignisse wie zum Beispiel Verlust, Umzug, Mobbing am Arbeitsplatz oder Arbeitslosigkeit eine Depression auslösen.
Es gibt Studien, die Zusammenhänge zwischen ungünstigen Arbeitsbedingungen und Depressionen zeigen, zum Beispiel für Stress, Überforderung, Mobbing oder wenn der Arbeitsplatz unsicher ist. Allerdings kann aus solchen Zusammenhängen nicht automatisch geschlossen werden, dass die Arbeitsbedingungen zur Entstehung der Depression beigetragen haben.
Führen Belastungen am Arbeitsplatz zu einer Depression? Oft ist es umgekehrt: In der Depression erscheint die Arbeit plötzlich wie ein kaum zu bewältigender Berg. Oft wird vorschnell die Arbeit als Ursache für das Gefühl der Überforderung und für die Erschöpfung gesehen. Dabei ist es die Erkrankung Depression, die dazu führt, dass sich Menschen erschöpft und energielos fühlen.
Arbeit kann bei Depressionen – je nach Schweregrad - auch förderlich sein: Arbeit strukturiert unseren Tag, unterstützt einen regelmäßigen Schlaf-Wachrhythmus und bietet uns Kontakt zu anderen Menschen.
Umgang mit Depression am Arbeitsplatz
Laut dem Deutschland-Barometer Depression (2021) entscheidet sich etwa ein Drittel der Betroffenen dazu, ihre depressive Erkrankung am Arbeitsplatz offen anzusprechen. Dies ist eine Entscheidung, die mit Sorgfalt abgewogen werden sollte. Sie hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Vertrauensverhältnis am Arbeitsplatz oder den beruflichen Plänen. Es besteht keine Verpflichtung, die Erkrankung offen zu kommunizieren. Jedoch berichten einige Menschen von überraschend positiven Reaktionen, wenn sie sich dazu entschließen, im Arbeitsumfeld darüber zu sprechen. Viele Menschen sind selbst oder im Umfeld mit dieser Erkrankung in Berührung gekommen und bringen somit Verständnis auf. Dennoch gibt es auch negative Erfahrungen, da viele Menschen nicht ausreichend darüber informiert sind, dass Depression eine ernsthafte, eigenständige Erkrankung ist und nichts mit persönlichem Versagen oder Nachlässigkeit zu tun hat. Daher ist diese Entscheidung sorgfältig zu überlegen. Die Website "Sag ich oder sag ich's nicht" kann dabei helfen.
Burnout
Burnout hat sich im deutschsprachigen Raum als Modebegriff verbreitet. Dabei ist der Begriff Burnout nicht klar definiert. Im internationalen Klassifikationssystem der Erkrankungen (wie ICD 11) ist Burnout nach wie vor keine medizinische Diagnose, sondern wird als arbeitsbezogenes Phänomen im Kapitel „Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen oder zu einem Kontakt mit Gesundheitsdiensten führen“ aufgeführt. Entsprechend liegen für die verschiedenen psychischen und körperlichen Symptome, die alle unter dem Begriff Burnout zusammengefasst werden, auch keine Behandlungen mit nachgewiesener Wirkung vor.
Burnout im Sinne einer längerfristigen Arbeitsüberforderung kann ein Risikofaktor für psychische oder körperliche Krankheiten sein. Ein Großteil der Menschen, die wegen Burnout eine längere Auszeit nehmen, leidet aber an einer depressiven Erkrankung. Alle für die Diagnose einer Depression nötigen Krankheitszeichen liegen vor, wozu auch das Gefühl tiefer Erschöpfung gehört.
Problematisch werden können die jeweils gezogenen Konsequenzen: Mit dem Begriff Burnout ist die Vorstellung verbunden, dass kürzertreten, länger schlafen und Urlaub machen gute Bewältigungsstrategien seien. Verbirgt sich hinter den Symptomen jedoch eine depressive Erkrankung, so sind dies oft keine empfehlenswerten Gegenmaßnahmen – im Gegenteil. Menschen mit Depression reagieren auf längere Zeit im Bett oft mit einer Zunahme der Erschöpfung und Verschlechterung der Stimmung. Bei einer Depression wird auch oft von einem Urlaub abgeraten, denn die Erkrankung „reist mit“. Das bedeutet: Antriebslosigkeit und die fehlende Fähigkeit, Freude zu empfinden, verschwinden nicht durch einen Ortswechsel. In einer fremden Umgebung kann das sogar besonders belastend und schmerzhaft sein.
Eine Vermengung der Begriffe Stress, Burnout und Depression führt zu einer Verharmlosung der Erkrankung Depression. Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden. Depression dagegen ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung, die einer Behandlung bedarf.
Verwendete Literatur
Kindes- und Jugendalter:
Balazs, J., Miklosi, M., Kereszteny, A., Hoven, C. W., Carli, V., Wasserman, C., & Wasserman, D. (2013). Adolescent subthreshold-depression and anxiety: Psychopathology, functional impairment and increased suicide risk. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 54(6), 670–677. https://doi.org/10.1111/jcpp.12016
Costello, E. J., Swendsen, J., Rose, J. S., & Dierker, L. C. (2008). Risk and protective factors associated with trajectories of depressed mood from adolescence to early adulthood. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 76(2), 173–183. https://doi.org/10.1037/0022-006X.76.2.173
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