Depression im Alter: Programm für Altenpflegekräfte und pflegende Angehörige

Depression und Pflege

Die Suizidraten steigen mit dem Alter stark an, insbesondere bei Männern. Etwa 35  % aller Suizide werden von Menschen über 65 Jahren verübt. Fast 90 % der jährlich ca. 10.000 Suizide und 150.000 Suizidversuche in Deutschland erfolgen vor dem Hintergrund einer oft nicht optimal behandelten psychischen Erkrankung, am häufigsten einer Depression. Deshalb ist eine Aufklärung über die Erkrankung Depression und die Suizidprävention für diese Zielgruppe besonders wichtig. Ambulanten Pflegekräften und pflegenden Angehörigen kommt hier eine große Bedeutung zu, da 73 % der 2,9 Mio. Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden (Quelle: Statistisches Bundesamt), und die Pflegekräfte oft der einzige regelmäßige Ansprechpartner sind. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe entwickelt deshalb ein E-Learning-Programm zum Thema „Altersdepression und Umgang mit Suizidalität“ für ambulante Altenpflegekräfte und pflegende Angehörige. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert und in Kooperation mit dem Deutschen Bündnis gegen Depression umgesetzt.

 

Online-Training hilft Pflegekräften im Umgang mit Depression und Suizidgedanken bei Senioren

Trainings von Pflegekräften zu den Themen Depression und Suizidalität im Alter haben sich in mehreren Studien als wirksam erwiesen (Quellen u.a.: Chauliac N, Brochard N, Payet C et al. (2016); Allgaier A-K, Kramer D, Mergl R et al. (2009)). Hier setzt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe an und entwickelt aufgrund des eng getakteten Zeitplans in der Pflege ein kostenfreies, orts- und zeitunabhängig durchführbares E-Learning-Tool. Das ca. zweistündige Programm vermittelt Wissen, zeigt erste Handlungsmöglichkeiten bei Verdacht auf Depression und Suizidalität auf und stellt in Videosequenzen den Umgang mit depressiv Erkrankten im Pflegealltag exemplarisch dar. Ziel ist es, durch die Schulung von Altenpflegekräften und pflegenden Angehörigen das Erkennen von Depression bei älteren Pflegebedürftigen zu erleichtern sowie Sicherheit im Umgang mit depressiv Erkrankten und Suizidalität zu fördern. Zudem werden konkrete Handlungsmöglichkeiten für Pflegende aufgezeigt, wenn bei Pflegebedürftigen Verdacht auf Depression oder Suizidalität besteht. Das E-Learning-Tool wird derzeit entwickelt und geht 2019 in die erste Erprobungsphase mit ambulanten Altenpflegekräften. Aus Gründen der Vergleichbarkeit können pflegende Angehörige an dieser Evaluationsstudie noch nicht teilnehmen. Nach der Pilotphase soll das Tool noch einmal optimiert und an die Alltagsanforderungen in der Pflege angepasst werden, danach kann es kostenfrei im Internet von allen Interessierten genutzt werden.

Zum Hintergrund: Depression im Alter oft nicht erkannt

Bei Senioren wird die Depression noch häufiger als bei jüngeren Menschen übersehen. Depressive Symptome wie Hoffnungs- und Freudlosigkeit, Schlafstörungen oder Erschöpfungsgefühl werden oft nicht als Ausdruck einer eigenständigen schweren Erkrankung gesehen, sondern als nachvollziehbare Folge auf die Bitternisse des Alters oder Ausdruck körperlicher Begleiterscheinungen fehlinterpretiert. Zudem kann die Depression durch Sprech- und Denkhemmung, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen Ähnlichkeiten mit einer Demenz aufweisen. Wie bei allen schweren Krankheiten sollten Angehörige und Pflegekräfte Sorge tragen, dass der Erkrankte so schnell wie möglich ärztliche Hilfe erhält.

Depressionen sind auch im Alter mit Antidepressiva und Psychotherapie gut behandelbar. Die Behandlung mit Antidepressiva muss allerdings - wegen weiterer altersbedingter Medikation und daraus möglichen Medikamentenwechselwirkungen - abgeklärt werden. Psychotherapie ist auch im Alter eine wirksame Behandlungsform, wird aber älteren Menschen nur selten angeboten.

Weitere Informationen zu Depressionen im Alter finden Sie hier.

 

Informations- und Hilfsangebote für ältere Menschen mit Depression

Hinweis an Pflegedienste:

Wenn Sie Interesse haben, das E-Learning-Tool zu Depression im Alter vorab im Pilotprojekt zu nutzen und Vorschläge einzubringen, wenden Sie sich an die Projektkoordinatorin Anne Elsner (anne.elsner@medizin.uni-leipzig.de, 0341/9724472). An unserer Pilotstudie teilnehmen können ambulante Pflegedienste in ganz Deutschland.