Für Firmen und Organisationen

Ca. 15 % aller Arbeitsunfähigkeitstage sind auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Psychische Erkrankungen weisen im Vergleich zu körperlichen Erkrankungen überdurchschnittlich lange Fehlzeiten auf (33,7 Tage pro Krankschreibungsfall; zum Vergleich: Kreislauf-Erkrankungen: 21,8 Tage; Muskel-Skelett-Erkrankungen: 18,7 Tage; Atemwegserkrankungen: 6,9 Tage) Quelle: DAK-Gesundheitsreport 2019

Die Daten zeigen, dass psychische Erkrankungen wie Depressionen neben dem persönlichen Leid für Betroffene und Angehörige immense wirtschaftliche Kosten verursachen. Zu Ausfallquoten kommen die eingeschränkte Produktivität und Leistungsfähigkeit der anwesenden Mitarbeiter u.a. durch erhöhte Fehlerquoten, vermindertes Durchhaltevermögen, Vergesslichkeit – auch bedingt durch die zahlreichen körperlichen Beschwerden einer Depression wie Schlafstörungen und Energielosigkeit (Präsentismus).

Unternehmen stehen also vor der Herausforderung, sich Depressionen und anderen psychische Erkrankungen zuzuwenden, um Leid der Mitarbeiter zu verkürzen und entstehende Kosten zu senken. Schulungen können einen Weg sein, mit psychischen Erkrnakungen im Unternehmen umzugehen.

Tipps für Unternehmen

  • Basiswissen schaffen: Depression ist eine sehr häufige und schwere Erkrankung. Informieren Sie sich über die Symptome der Erkrankung, wer für die Behandlung zuständig ist und über mögliche Ansprechpartner. Informationsmaterial bestellen
  • Ergreifen Sie die Initiative: Sprechen Sie den Mitarbeiter an, wenn Sie das Gefühl haben, dass er sich sehr verändert! Dabei sollten Sie keine Berührungsängste haben. Sprechen Sie ihre Beobachtungen an und dass Sie sich Sorge machen (z.B. „Mir ist aufgefallen, dass Sie in der letzten Zeit oft niedergeschlagen wirken. Was ist los. Kann ich irgendetwas tun, um Sie zu unterstützen?”)
  • Den Mitarbeiter motivieren und eventuell dabei unterstützen, sich professionelle Hilfe zu holen. Erste Ansprechpartner sind der Hausarzt oder der Facharzt, d.h. der Psychiater oder Nervenarzt.
Wie können Unternehmen sich um psychische Gesundheit kümmern?

Zunächst müssen sich die Unternehmen die Frage stellen, auf welche Weise sie sich für die psychische Gesundheit einsetzen wollen. Es gibt zwei grundverschiedene Bereiche:

  • Förderung des allgemeinen Wohlbefindens und Stressreduktion
  • Unterstützung für Mitarbeiter mit psychischen Erkrankungen

Diese Ebenen müssen deutlich unterschieden werden, da sie vollkommen andere Maßnahmen erfordern. Programme mit Elementen wie Stressreduktion und allgemein gesundheitsförderndes Verhalten können sehr sinnvoll sein und werden von den Mitarbeitern als Wertschätzung wahrgenommen. Aber die Hoffnung, dadurch eine nennenswerte Primärprävention von psychischen Erkrankungen erreichen zu können ist nicht begründet. Manchmal werden die Depressionen und andere psychiatrische Erkrankungen fälschlicherweise in erster Linie als Folge der Arbeitsbelastung und anderer negativer Lebensbedingungen und nicht als eigenständige Erkrankungen auffassen, die jeden mit einer entsprechenden Veranlagung treffen können. Daher ist eine Prävention der Depression nur begrenzt möglich.

Um welche psychische Erkrankung sollten sich Unternehmen kümmern?

Wenn Unternehmen etwas für psychisch Erkrankte tun wollen, dann ist Frage, welche psychische Erkrankung angegangen werden soll. Panikattacken oder generalisierte Angststörungen erfordern beispielsweise andere Maßnahmen als Zwangsstörungen, Schizophrenie, Essstörungen oder Suchterkrankungen. Wie in der Orthopädie oder Neurologie gibt es viele völlig unterschiedliche psychiatrische Erkrankungen mit anderen Ursachen, anderen Behandlungen und Präventionsmöglichkeiten. Mit weitem Abstand am bedeutsamsten ist die Erkrankung Depression. Diese ist häufig, schwer, und die guten Behandlungsmöglichkeiten werden nur bei einer kleinen Minderheit optimal genutzt. Es ist die Erkrankung in unserer Gesellschaft mit dem größten Verbesserungsspielraum!

Was können Unternehmen konkret tun?

Eine Prävention der Depression ist nur sehr begrenzt möglich. Aber es gibt ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die dazu führen, dass Erkrankte rascher in eine an den offiziellen Behandlungsleitlinien orientierte Behandlung kommen und das Rückfallrisiko verkleinert wird. Dazu zählen sachliche Information aller Mitarbeiter, Handlungssicherheit von Personalverantwortlichen durch Schulungen (u.a. Rollenspiel bezüglich Gesprächsführung mit einem möglicherweise psychisch belastenden Mitarbeiter), offene und nicht-stigmatisierender Unternehmenskultur oder Wiedereingliederungsmaßnahmen.  Durch den rascheren Weg in eine professionelle Behandlung können Kosten durch Präsentismus und Absentismus vermieden werden.

Welche Möglichkeiten gibt es für kleine Unternehmen?

Die European Alliance Against Depression e.V. (EAAD) widmet sich gemeinsam mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe dem Thema „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz“ in einem groß angelegten, von der Europäischen Kommission geförderten Forschungsprojekt. Das Hauptziel von "Mental Health Promotion and Intervention in Occupational Settings“ (Project EU Horizon 2020) ist die Stärkung psychischer Gesundheit von Arbeitnehmern durch die Entwicklung diverser (Online)-Angebote. Die Interventionen mit Fokus auf Depression werden speziell für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt, exemplarisch zunächst im Bereich Bauwesen, Gesundheitswesen und IT-Gewerbe.  Innerhalb des Projekts werden die Angebote in acht Ländern in ganz Europa eingesetzt und auf ihre Wirksamkeit getestet. Das Projekt startete Anfang 2020 und hat eine Laufzeit von 4 Jahren.

Unterstützen Sie uns: Spenden statt Geschenke!

Sie möchten als Unternehmen soziale Verantwortung übernehmen und sich für an Depression erkrankte Menschen einsetzen? Wir freuen uns, wenn Sie unsere Forschungs- und Aufklärungsarbeit mit einer Spende unterstützen.

Verzichten Sie für Kunden und Geschäftspartner auf die üblichen Geschenke und spenden Sie stattdessen an die Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Hilfe für den Arbeitsalltag

Auf der Homepage des BKK-Dachverbands finden Sie den Ratgeber "Psychisch krank im Job" und und weitere hilfreiche Informationen für Führungskräfte, Beschäftigte und Betroffene gleichermaßen.