3. Deutscher Medienpreis Depressionshilfe 2017

 

Die Gewinner des Deutschen Medienpreises Depressionshilfe 2017 stehen fest: Beim 4. Deutschen Patientenkongress Depression am 26. August 2017 im Gewandhaus zu Leipzig zeichnete Stiftungs-Schirmherr und Moderator Harald Schmidt unter Teilnahme weiterer Jurymitglieder die Sieger aus.

Die Gewinner Kristina Wilms (Protagonistin und Unternehmerin) und Anne Thiele (RTL Extra, Gewinnerin) mit Jury-Mitgliedern
1. Platz / v. li. n. re.: Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Thomas Voigt (Otto Group), Kristina Wilms (Protagonistin, Unternehmerin), Anne Thiele (RTL Extra, Gewinnerin), Dr. Cinthia Briseño (Beraterin für Gesundheitsmedien), Harald Schmidt (Foto: Swen Reichhold)
Eva Riedmann und Sebastian Meinberg (BR TV Puls) mit Jury-Mitgliedern
2. Platz / von links nach rechts: Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Thomas Voigt (Otto Group), Eva Riedmann u. Sebastian Meinberg (Puls TV im BR), Dr. Cinthia Briseño (Beraterin für Gesundheitsmedien) und Harald Schmidt (Foto: Swen Reichhold)
Corinna Schöps (ZEIT Doctor) mit Jury-Mitgliedern
3. Platz / von links nach rechts: Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Thomas Voigt (Otto Group), Eva Riedmann und Sebastian Meinberg (Puls TV im Bayerischen Rundfunk), Dr. Cinthia Briseño (Beraterin für Gesundheitsmedien), Harald Schmidt (Foto: Swen Reichhold)

Die Gewinner inkl. Jury-Begründungen:

  1. Anne Thiele
    „Leben mit Depression – Langzeitbegleitung einer Betroffenen“, RTL Extra:
    Offener und mutiger hat sich bislang wohl kaum jemand während einer Depression einem breiten Publikum geöffnet: Ein halbes Jahr lang führte die Unternehmerin Kristina Wilms aus Berlin ein Video-Tagebuch und gewährt dem Zuschauer darin einen schonungslosen Einblick in ihr Leben mit Depression - in gute, kraftvolle, erfolgreiche Tage und zugleich in schlechte, düstere und hoffnungslose. Der Zuschauer erlebt dies förmlich mit. Der Beitrag macht dadurch die nicht-sichtbare Krankheit transparent und sorgt für mehr Verständnis im privaten wie beruflichen Umfeld der Betroffenen. So verbindet die Jury mit dem ersten Platz im Wettbewerb die Hoffnung, dass der Beitrag ein Leuchtfeuer zu setzen imstande ist: Für Betroffene, sich anderen gegenüber bis hin zu den Medien mutiger als bisher zu öffnen. Für deren Umfeld, verständlicher auf die Krankheit zu reagieren. Und für die Boulevard-Medien, selbst so sensible Themen wie die Depression in ihren Erzählformen angemessen und wirkmächtig zu vermitteln.
  2. Hendrik Rack, Eva Riedmann, Anna Bühler, Eva Riedmann, Ariane Alter, Sebastian Meinberg
    „Social Media & Depression: Wenn Facebook dein Leben zur Hölle macht“, BR PULS:
    Das PULS-Autorenteam macht sich in frischen, ungewöhnlichen TV-Experimenten auf die Suche, was die angeblich so heile Schein-Welt der Sozialen Medien mit uns macht, erst Recht mit Depressionserkrankten. Dabei wird aufgezeigt, dass Social Media kein Auslöser für Depressionen ist. Und wann die sozialen Netzwerke im Krankheitsfall schaden, oder auch helfen können. Das Autorenteam bettet das Thema Depression in ein Umfeld ein, das für alle Zuschauer relevant ist. Dadurch gelingt es ihnen, junge Menschen an das Thema Depression heran zu führen, die sich damit womöglich noch nie beschäftigt haben. Die Jury sieht diesen gelungenen Brückenschlag als wertvollen, zukunftsgerichteten Beitrag für Aufklärung und Prävention und vergibt dafür Platz 2.
  3. Corinna Schöps
    „Wenn die Seele Hilfe braucht“, ZEIT Doctor:
    Die Autorin stellt in ihrem umfassend recherchierten Beitrag die richtigen Fragen zur Psychotherapie - und findet komplexe Antworten. Sie greift dabei Missverständnisse auf und stellt sie in den entsprechenden wissenschaftlichen Kontext - ganz dem hohen Anspruch ihrer Leserschaft entsprechend. Und: Die Darstellung neuer Wege schafft Wissen und macht Mut, ohne falsche Hoffnungen zu wecken. Für diesen journalistisch wie inhaltlich hervorragend angelegten Lexikonartikel oder auch „Beipackzettel für die Behandlungsform der Psychotherapie“ vergibt die Jury Platz 3.

Mehr Einreichungen – Belobigung für kleine Medien und Spiegel Online

76 Autoren und Redaktionen hatten ihre Beiträge der Jury vorgelegt – erneut mehr als bei den beiden letzten Ausschreibungen (zuvor 68 bzw. 53). „Die Jury hat sich auch diesmal die Auswahl nicht einfach gemacht" erklärt Jury-Mitglied Dr. Cinthia Briseño. „Daher haben wir in diesem Jahr neben den drei Gewinnern auch ausdrücklich Belobigungen ausgesprochen, z.B. für die kleineren Medien wie Radio Sonnengrau. Dem Webradio von Betroffenen sprechen wir für die gute Themen- und Expertenauswahl unser Kompliment aus. Ebenso positiv hervorgestochen ist die Schwetzinger Zeitung mit Silke Herrmanns Beitrag ‚Friedensvertrag mit sich selbst abschließen‘. Diese kleineren oder lokalen Medien verfügen nicht über die personelle Kapazität bzw. Ausstattung großer Redaktionen - und haben es dennoch unter die zehn Finalisten geschafft", hebt Dr. Briseño hervor. Zudem hat die Jury den Beitrag von Christoph Seidler von Spiegel Online lobend erwähnt. Jury-Mitglied Prof. Ulrich Hegerl erklärt: „Der Beitrag von Spiegel Online hat sich bei der Einordnung des Amoklaufs in München selbstbewusst von vielen anderen (Leit-)Medien abgehoben und deutlich gemacht, dass eine mögliche Depression des Täters nicht die Ursache der Tat gewesen sein kann. Damit hat das Video dazu beigetragen, dass Depressionspatienten nicht noch zusätzlich mit Vorurteilen belegt werden."

Hinweise zum Umgang mit Suiziden – Netflix missachtet Experten-Warnungen

Jurymitglied Thomas Voigt, Otto Group, ergänzt: „Als journalistisch geprägte Jury ist es uns wichtig, auch auf gesellschaftliche Relevanz und Folgen ein Augenmerk zu legen. Aktuell beobachten wir die Verlängerung der Netflix-Serie ‚Tote Mädchen lügen nicht‘ mit großer Sorge. Hier ignoriert die Produktionsgesellschaft die Leitlinien für den medialen Umgang mit Suiziden. Die Jury möchte gemeinsam mit der Deutschen Depressionshilfe erneut auf die Sensitivität der Berichterstattung bei Selbsttötungen zur Reduzierung von Nachahmungseffekten hinweisen." Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat auf ihrer Website einen Medienguide veröffentlicht, berät Journalisten vor geplanten Veröffentlichungen und stellt ihre Expertise in Presse-Workshops zur Berichterstattung über Suizide zur Verfügung.

Über den Medienpreis Depressionshilfe

Der Deutsche Medienpreis Depressionshilfe wird 2017 zum dritten Mal vergeben. Der von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ins Leben gerufene Preis ist mit insgesamt 5.000 Euro dotiert und wird über alle Mediengattungen hinweg verliehen. Ausgezeichnet werden herausragende Medienbeiträge, die einem breiten Publikum anschaulich und sachlich kompetent von Depressionserkrankungen sowie deren Behandlungsmethoden berichten. Zur Jury gehören neben dem Vorsitzenden und Stiftungs-Schirmherrn Harald Schmidt: Dr. Cinthia Briseño (Beraterin für Gesundheitsmedien und digitale Innovationen für die Patientenkommunikation), Uwe Kammann (Publizist/Medienberater, bis 2014 Geschäftsführer des Grimme-Instituts), Christel Römer (Leipziger Bündnis gegen Depression), Annett Schlesier (Deutsche Bahn AG), Thomas Voigt (Otto Group) und Prof. Dr. Ulrich Hegerl (Stiftung Deutsche Depressionshilfe / Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig).


Teilnahmestatuten Deutscher Medienpreis Depressionshilfe:

Medien-Empfehlungen zur Suizid-Berichterstattung:


Pressemitteilungen

 


Kontakt

Susanne Baldauf, Geschäftsführung Stiftung Deutsche Depressionshilfe (Foto: Maren Martens)

Susanne Baldauf, M.A.
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