Individualisierte Behandlungsansätze

Psychotherapie und/oder Antidepressiva führen bei vielen Patienten zu einer erheblichen Besserung der Depression. Bei einem Teil der Betroffenen sind diese Behandlungswege allerdings nicht oder nicht ausreichend wirksam. Aus diesem Grund arbeitet die Forschung daran, individuelle passgenauere Diagnose- und Behandlungswege für Patienten zu entwickeln.

Hintergrund
Bislang werden Patienten mit Depressionen alle nach dem gleichen Schema behandelt. Depressiv erkrankte Menschen sprechen allerdings unterschiedlich auf verschiedene Therapieformen an, weshalb unterschiedliche Behandlungsansätze erforderlich sind. Denn: Hinter dem Krankheitsbild „Depression“ verbergen sich auf neurobiologischer Ebene unterschiedliche Hirnfunktionsstörungen. Deshalb sprechen manche Depressions-Patienten beispielsweise nicht auf das erste Antidepressivum an. Bei einigen wenigen Patienten schlägt die medikamentöse Behandlung auch trotz mehrerer Versuche nicht an. Diese Patienten benötigen eine alternative Behandlung. Im Rahmen der Studie sollen die verschiedenen Hirnfunktionsstörungen deshalb zunächst identifiziert werden. Dadurch könnte zukünftig passgenau und rechtzeitig bestimmt werden, welche Therapie für welchen Patienten die richtige ist.

Die Studie
Auf dieser Grundlage führen die Medizinische Hochschule Hannover, die Leibniz Universität Hannover, die Technische Universität Braunschweig, die Universitätsmedizin Greifswald, das Universitätsklinikum Würzburg, die Christian-Albrechts Universität zu Kiel und die Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie das Fraunhofer Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin, die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und das bayerische Unternehmen BioVariance eine große klinische Studie mit rund 1000 Depressionspatienten durch.

Die Studie mit dem Titel „Personalisierte, prädiktive, präzise und präventive Medizin zur Verbesserung der Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Prävention depressiver Erkrankungen“ (P4D) hat das Ziel, individualisierte Behandlungsansätze mit Hilfe von Biomarkern, aber auch Kernspintomographien, Hirnstrommessungen, Schlafdiagnostik und weiteren Untersuchungen zu entwickeln. Dadurch sollen möglichst viele Informationen über den Patienten gesammelt und genutzt werden, um die Therapie individuell auf die betroffene Person zuzuschneiden.

Sollte das gelingen, bedeutet es für die Patienten eine wichtige Verbesserung ihrer Depressionsbehandlung. Wird zum Beispiel durch einen bestimmten Marker ersichtlich, dass der Patient generell nicht auf Antidepressiva ansprechen wird, kann dieser direkt mit alternativen Methoden wie einer intensivierten Psychotherapie oder Hirnstimulationsverfahren behandelt werden. Die passgenaue Behandlung würde demnach langwierige Behandlungsversuche ersparen.

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe ist in mehrfacher Funktion am Forschungsvorhaben beteiligt. So bringt sie die Perspektiven von Menschen mit Depression in die Studie ein und unterstützt außerdem bei der Suche nach Studienteilnehmern. Weiterhin wird im Forschungszentrum der Stiftung Deutsche Depressionshilfe ein Fragebogen entwickelt, der die Erregungs- und Wachsamkeitsregulation messen soll. Dies kann sowohl zur Diagnostik von Depression als auch zur Vorhersage des Ansprechens auf verschiedene Behandlungsansätze genutzt werden. Bisher muss die Erregungs- und Wachsamkeitsregulation  aufwendig mit einem Elektroenzephalografie (EEG) gemessen werden. Ein Fragebogen, der dies ebenso präzise misst wie ein EEG, wäre daher von großem Nutzen für Patienten wie für Behandler. Gefördert wird die Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).


Kontakt

Dr. rer. nat. Hanna Reich de Paredes

Forschungszentrum Depression
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
 
Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Universitätsklinikum Frankfurt
Heinrich-Hoffmann-Str. 10
60528 Frankfurt am Main