Rat für Angehörige von Menschen
mit Depression

Was Angehörige und Freunde tun können

Die Krankheit Depression kann einen Menschen völlig verändern. So ist es zum Beispiel möglich, dass ein früher lebenslustiger Partner bzw. Partnerin auf einmal schwunglos wird, an Schuldgefühlen, innerer Leere und Hoffnungslosigkeit leidet und sich völlig aus der Beziehung oder aus Freundschaften zurückzieht (siehe unten: Auf sich selbst gut achten und sich mit anderen Angehörigen austauschen.). In ihrer Hilflosigkeit gegenüber der Depression entwickeln Angehörige oft selbst Schuldgefühle oder gar Ärger über den erkrankten Menschen. Hält die depressive Phase länger an, können sich bei den Angehörigen Überlastung und Erschöpfung einstellen, weil sie dem Betroffenen eine Vielzahl alltäglicher Aufgaben abnehmen müssen. Selbsthilfegruppen oder Online-Angebote wie der Familiencoach Depression oder das Diskussionsforum Depression für Angehörige können für die betroffenen Familienmitglieder eine wichtige Hilfe sein.
Auf dieser Seite finden Sie Ratschläge für insbesondere Angehörige von schwer depressiv Erkrankten.


Zu der Situation von Angehörigen: Prof. Dr. med. Christine Rummel-Kluge, Leiterin Psychiatrische Institutsambulanz am Universitätsklinikum Leipzig

Weitere Expertenvideos finden Sie auf der Website unseres interaktiven Film- und Medienprojekts Mitte der Nacht.



Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung.

Professionelle Hilfe ist wichtig.

Wie bei allen schweren Krankheiten sollten Sie so schnell wie möglich ärztlichen Rat einholen. Ergreifen Sie die Initiative und vereinbaren Sie für den Betroffenen bzw. die Betroffene einen Arzttermin. Da depressiv erkrankte Menschen häufig die Schuld für ihr Befinden bei sich selbst suchen und nicht an eine Erkrankung denken, halten sie einen Arztbesuch oft nicht für nötig. Weil Hoffnungslosigkeit zur Depression gehört wie Schnupfen zur Grippe, glauben viele Betroffene auch nicht, dass ihnen überhaupt geholfen werden kann oder es fehlt ihnen aufgrund der Depression die Kraft, sich zu einem Arztbesuch aufzuraffen. 

Sollte Ihr erkrankter Angehöriger daher zunächst Hilfsangebote ablehnen, signalisieren Sie, dass Sie für ihn/sie da sind. Geben Sie nicht nach dem ersten Versuch auf. Wiederholen Sie Ihre Sorge und bieten Sie Ihre Hilfe immer mal wieder an. Manchmal braucht es etwas, bis Betroffene sich trauen. Dabei müssen Sie einen möglichen Verdacht auf Depression nicht zwangsläufig mitteilen. "Es geht dir nicht gut. Ich mache mir Sorgen. Lass dich doch mal beim Hausarzt/ der Hausärztin durchchecken. Ich begleitet sich bei Bedarf gerne." – das kann den ersten Schritt erleichtern.

Manchmal kann es auch helfen, die Entscheidung abzunehmen und  einen Arzttermin zu vereinbaren. Sie können versuchen, den Betroffenen kurzfristig abzuholen und zu begleiten, ohne dass er/sie lange Zeit hat für Bedenken und depressionsbedingte negative Gedanken, dass ihm/ihr sowieso nicht geholfen werden kann.

Besorgen Sie Informationen zur Erkrankung, die der/dem Betroffenen helfen können zu verstehen, dass eine Behandlung wichtig und hilfreich ist. Sie können auch auf die Online-Foren Depression verweisen. Sie bieten einen niederschwelligen Zugang zu Information und Erfahrungsberichten anderer Menschen mit Depression und die Möglichkeit, sich anonym auszutauschen. Manchmal kann es überzeugender sein, wenn ein Mensch, der ebenfalls an Depression erkrankt ist oder war berichtet, dass eine Behandlung gut geholfen hat.

Der Weg in die professionelle Behandlung kann etwas Zeit und Geduld erfordern. Sollte  der/die Betroffene aber lebensmüde Gedanken äußern, ist es wichtig, schnell zu reagieren.


Geduld haben.

Viele depressiv erkrankte Menschen äußern Klagen und Verzweiflung, oft ziehen sie sich auch von ihrer Umwelt zurück. Zeigen Sie Geduld mit dem Betroffenen. Erinnern Sie ihn/sie stets daran, dass die Depression eine Erkrankung ist, die vorübergeht und sich gut behandeln lässt. Versuchen Sie nicht, den Betroffenen von der Grundlosigkeit seiner Schuldgefühle zu überzeugen. Lassen Sie sich nicht auf Streit darüber ein, ob seine negative Sichtweise „objektiv“ gerechtfertigt sei oder nicht. Beides wird keinen Erfolg bringen.
Tun Sie die körperlichen Missempfindungen und Krankheitsängste des Betroffenen nicht als übertrieben oder „nur psychisch bedingt“ ab, denn depressiv erkrankte Menschen dramatisieren ihr Erleben nicht. Es ist die Depression, die auch leichte Schmerzen oder Missempfindungen ins kaum Erträgliche steigert.
Wenden Sie sich nicht von Ihrem erkrankten Angehörigen ab, auch wenn er Ihnen noch so abweisend erscheint. Aber achten Sie auch gut auf sich.


Auf sich selbst gut achten und sich mit anderen Angehörigen austauschen.

Ist ein Mensch über Monate hinweg depressiv, belastet die Krankheit sicher auch Sie als Angehörigen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Grenzen Ihrer Belastbarkeit kennen und Ihre eigenen Interessen nicht aus den Augen verlieren. Tun Sie sich öfter etwas Gutes, pflegen Sie die Kontakte im Freundeskreis. Bauen Sie zu Ihrer Unterstützung ein Netzwerk von Freunden und Bekannten auf oder organisieren Sie sich auf andere Weise Hilfe. Neben den Sozialpsychiatrischen Diensten bietet der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) Hilfe, Beratung und Betreuung für Angehörige und ihre erkrankten Familienmitglieder. 

Über den jeweiligen Landesverband erhalten Sie auch Informationen zu Angehörigengruppen. Manchmal kann es schon entlasten, sich mit anderen Angehörigen auszutauschen. Auch im Online-Forum Depression finden Sie einen Bereich für Angehörige.

Unter www.familiencoach-depression.de finden Familienmitglieder und Freunde von depressiv erkrankten Menschen ein Online-Programm mit vielen Übungen und Videos. Es zeigt, wie Sie den Betroffenen unterstützen und mit Krisen umgehen können, ohne sich dabei selbst zu überfordern. Dazu widmet sich ein eigenes Kapitel dem Thema „Selbstfürsorge“. Sollte die Belastung zu groß werden und Sie selbst krank werden, sprechen Sie Ihren Hausarzt/ Ihre Hausärztin an.

Zu der Belastung der Angehörigen: Dr. med. Peter Hotz

Weitere Expertenvideos finden Sie auf der Website unseres interaktiven Film- und Medienprojekts Mitte der Nacht.


Seien Sie zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen.

Es hat keinen Sinn, einem depressiv erkrankten Menschen zu raten, abzuschalten oder für ein paar Tage zu verreisen, denn eine fremde Umgebung verstört den Patienten/die Patientin meist zusätzlich. Raten Sie dem Betroffenen auch nicht, „sich zusammenzunehmen“ – ein an Depression erkrankter Mensch kann diese Forderung nicht erfüllen. Der Ratschlag verstärkt möglicherweise sogar die Schuldgefühle. Gleiches gilt für Versuche der Aufmunterung. Dagegen sollten Sie Ihren Angehörigen immer dann unterstützen, wenn er/sie Eigeninitiative zeigt.

Oft ist es nicht leicht, treffende und tröstende Worte für einen depressiv erkrankten Menschen zu finden. Wir haben Betroffene auf unseren Social Media Kanälen gefragt, welche Worte sie sich in der Depression wünschen.
Oft ist es nicht leicht, treffende und tröstende Worte für einen depressiv erkrankten Menschen zu finden. Wir haben Betroffene auf unseren Social Media Kanälen gefragt und zusammengefasst, welche Worte sie sich in der Depression wünschen.

Wenn möglich, wichtige Entscheidungen verschieben.

Machen Sie sich immer bewusst, dass depressiv erkrankte Menschen die Realität in vielen Punkten durch die „depressive Brille“, das heißt verzerrt sehen und deshalb Entscheidungen treffen können, die sie nach überstandener Krankheit vielleicht ganz anders bewerten. Berücksichtigen Sie dies, wenn möglich, in allen Angelegenheiten, die die private oder berufliche Zukunft betreffen.
Für Patientinnen, Patienten und Angehörige ist es wichtig, sich z.B. durch Literatur frühzeitig und umfassend über die Erkrankung zu informieren.


Umgang mit Suizidalität

Manchmal erscheint einem schwer depressiv erkrankten Menschen seine Situation so hoffnungslos, dass er nicht mehr leben will. Für solch einen Notfall kann es mehr oder weniger deutliche Anzeichen geben.

Welche Alarmzeichen sollte man ernst nehmen? Was können Sie tun, wenn Sie einen akut suizidgefährdeten Menschen kennen?

Lesen Sie hier mehr zu dem Thema „Umgang mit suizidalen Menschen“.

Studien-Teilnehmer:innen gesucht

Für eine Studie des Universitätsklinikums Freiburg zum Thema Angehörige von depressiv Erkrankten werden aktuell Teilnehmer:innen gesucht. Informationen zur Teilnahme finden sie auf unserer Seite Onlinehilfe für Angehörige.