Psychotherapeutische Behandlung

Die Psychotherapie ist eine der zwei Grundsäulen bei der Behandlung der Depression.

In einer Psychotherapie werden psychische Erkrankungen und ihre Begleiterscheinungen durch Gespräche und Übungen mit einem Psychotherapeuten behandelt. Das konkrete Therapieziel wird vorher gemeinsam festgelegt.

Wege zur Psychotherapie

In der Regel ist zunächst eine ärztliche Diagnostik sinnvoll, um abzuklären, ob die Beschwerden Ausdruck einer Depression oder einer anderen Erkrankung sind (z.B. Schilddrüsenerkrankungen, Entzündungen, Hirnerkrankungen). Wird dann eine Psychotherapie empfohlen, führt der Weg dahin in der Regel über eine „Psychotherapeutische Sprechstunde“. In diesem Erstgespräch klärt der ärztliche oder psychologische Psychotherapeut ab, ob der/ die Betroffene eine Psychotherapie benötigt oder nicht, bzw. ob andere Behandlungsangebote (z.B. Medikamente) oder Unterstützungs- und Beratungsangebote hilfreich sind. 

Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen vermitteln einen Termin für die Sprechstunde. Betroffene können aber auch weiterhin auch direkt ärztliche oder psychologische Psychotherapeuten kontaktieren.

Ist eine Psychotherapie notwendig, besteht bei einer ambulanten Therapie die Möglichkeit, zwei bis vier Probesitzungen (sogenannte probatorische Sitzungen) zu nutzen. Während dieser Sitzungen können alle offenen Fragen bezüglich des Ablaufs einer Psychotherapie mit dem Psychotherapeuten geklärt werden. Darüber hinaus kann der Patient feststellen, ob die „Chemie“ stimmt, d.h. ob er und der Psychotherapeut langfristig miteinander arbeiten können. Hat der Psychotherapeut eine kassenärztliche Zulassung (dies trifft nicht für alle Psychologen, sondern nur für die „Psychologischen Psychotherapeuten“ zu), übernimmt die Krankenkasse hierfür auf Antrag die Kosten.

Um Adressen und Telefonnummern von ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten in Deutschland in Erfahrung zu bringen, wenden Sie sich an:
ihren Hausarzt oder ihren Facharzt für Psychiatrie,
- die örtlichen Krankenkassen,
- die örtliche Kassenärztliche Vereinigung,
- den Psychotherapie-Informations-Dienst.

Wichtig zu wissen: eine Psychotherapeutische Sprechstunde bedeutet nicht, dass auch bei diesem Psychotherapeuten ein Behandlungsplatz frei ist. Ggf. muss eine notwendige Psychotherapie bei einem anderen Psychotherapeuten aufgenommen werden. Bei der Kontaktaufnahme per Telefon sollte man sich nicht entmutigen zu lassen, wenn nur ein Anrufbeantworter vorzufinden ist oder auf eine Nachricht hin nicht sofort zurückgerufen wird. Meist haben die Psychotherapeuten Telefonsprechzeiten. Hier sind sie direkt erreichbar, um Termine zu vereinbaren.

Bei der Wahl eines Psychotherapeuten spielt die Art des Therapieverfahrens und auch die Art der psychischen Erkrankung eine wichtige Rolle.


Psychotherapieverfahren

Es gibt verschiedene Psychotherapieverfahren, denen unterschiedliche wissenschaftliche Theorien über die Entstehung und Behandlung von psychischen Störungen zugrunde liegen.

Generell werden drei für eine große Bandbreite psychischer Erkrankungen anwendbare Psychotherapieverfahren von der Krankenkasse bezahlt (sogenannte Richtlinienverfahren). Zur Behandlung von Depression liegen für die Kognitive Verhaltenstherapie mit Abstand die besten Wirksamkeitsnachweise vor.

Kognitive Verhaltenstherapie

Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gehört zu der großen Verfahrensgruppe der Verhaltenstherapie, die auf den Gesetzen der Lerntheorie beruht. In der Lerntheorie werden psychische Erkrankungen als Folge ungünstiger (Lern-)Erfahrungen in der Vergangenheit verstanden. Diese ungünstigen Lernerfahrungen werden in der Therapie bearbeitet. Mit Übungen und in Gesprächen werden neue, günstigere Verhaltensweisen erlernt.

In der KVT werden zusätzlich innere Vorgänge wie Gedanken, (negative) Einstellungen und Gefühle thematisiert, um diese zu verändern. In der Behandlung geht es daher vor allem um die Vermittlung und das Erlernen neuer Verhaltens- und Denkmuster, sodass freudvolleres Erleben möglich wird und sich die Stimmung normalisieren kann. Auch die Psychoedukation, in welcher der Therapeut Wissen über die Erkrankung und Möglichkeiten des aktiven Umgangs vermittelt, ist ein wichtiges Element der KVT.

Die KVT findet im Einzelgespräch statt, auch Gruppensitzungen sind möglich. Das therapeutische Vorgehen ist im Gegensatz zu Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie klar strukturiert. Die in der Therapie besprochenen Themen beziehen sich auf die Gegenwart.

Die KVT umfasst in der Regel eine bis maximal zwei Sitzungen pro Woche und erstreckt sich über 60 bis 80 Sitzungen, wobei eine Kurzzeittherapie mit bis zu 24 Stunden möglich ist.

Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Ziel der Psychoanalyse ist es, Konflikte, traumatische Erfahrungen (vor allem aus der Kindheit) und früh gestörte Beziehungsmuster, die meist nicht bewusst sind, zu erinnern und aufzuarbeiten. Die psychoanalytische Behandlung stellt einen Prozess dar, der die persönliche Entwicklung und Erkenntnis und damit die Genesung fördern soll.

Für die Akutbehandlung von Depression ist eine Psychoanalyse eher nicht geeignet.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie arbeitet mit den Erkenntnissen der Psychoanalyse und deren Weiterentwicklungen. Sie gehört – wie die Psychoanalyse – zu den psychodynamischen Verfahren und hat ähnliche Annahmen über die Ursachen psychischer Erkrankungen.

Im Zentrum der Behandlung stehen, im Gegensatz zur Psychoanalyse, verstärkt aktuelle psychische Konflikte, die der Patient immer wieder mit sich selbst und in der Beziehung zu anderen erlebt und die in der Therapie aufgearbeitet werden.


Weiterführende Informationen

Mehr Informationen zu dem Thema Psychotherapie und Wege zur Psychotherapie bietet der Ratgeber der Bundespsychotherapeutenkammer.