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Volkskrankheit



Volkskrankheit

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen.

Die Depression ist eine der größten Volkskrankheiten. Dies wurde sehr eindrücklich durch eine weltweit durchgeführte Studie der WHO ("Global burden of disease") (1) bestätigt. Die Bedeutung der verschiedenen Volkskrankheiten wurde mit einem Indikator ermittelt, der die Erkrankungsjahre pro Bevölkerung berücksichtigt, gewichtet mit der Schwere der Beeinträchtigung durch die jeweilige Erkrankung.

In den entwickelten Ländern steht hier die unipolare Depression an erster Stelle (Abbildung 1), mit weitem Abstand vor allen anderen körperlichen und psychiatrischen Volkskrankheiten. Hochrechnungen haben zudem eine in den nächsten Jahren weiter zunehmende Bedeutung der Depression ergeben.





Abbildung 1: Übersicht über Krankheiten mit starker Beeinträchtigung (WHO)

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Bedeutung der Depression

Diese in ihrer Deutlichkeit für viele überraschenden Ergebnisse waren für die WHO Anlass, Aktionsprogramme auf nationaler Ebene zur Bekämpfung depressiver Erkrankungen zu fordern.

Wodurch ergibt sich diese große Bedeutung der Depression? 

  • Depressionen sind häufige Erkrankungen. Derzeit sind ca. 5% der Bevölkerung im Alter von 18-65 Jahren in Deutschland an einer behandlungsbedürftigen Depression erkrankt (2).
    Das sind in Deutschland ca. 3,1 Millionen Menschen, wobei zu beachten ist, dass in den Gruppen unter 18 und über 65 Jahren ebenfalls Menschen von depressiven Störungen betroffen sind. Daraus ergibt sich eine geschätzte Anzahl von ca. 4 Millionen Personen, die an einer depressiven Episode leiden.
    Größer ist die Zahl derjenigen, die irgendwann im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken. Depressionen verlaufen meist in Form von Krankheitsphasen (Episoden), die Wochen bis Monate, manchmal auch Jahre anhalten können. Wenn sie unbehandelt bleiben, können die Krankheitsphasen rezidivierend sein, d.h. erneut auftreten. In manchen Fällen können sie auch einen chronischen Verlauf nehmen können.

  • Depressionen gehen wie kaum eine andere Erkrankung mit hohem Leidensdruck einher, da diese Erkrankung ins Zentrum des Wohlbefindens und der Lebensqualität zielt. Von einer Patientin wurde dies in folgende Worte gefasst: "Während meiner schweren körperlichen Erkrankungen wollte ich Hilfe und hatte Hoffnung, während der Depression wollte ich nur mehr sterben."

  • Nicht nur vom subjektiven Erleben her, sondern auch objektiv gesehen ist die Depression eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Hier ist die Gefahr der Suizidversuche und der Suizide (Selbsttötungen) zu nennen. Fast alle Patienten mit schweren Depressionen haben zumindest Suizidgedanken. Bis zu 15% der Patienten mit schweren, wiederkehrenden depressiven Störungen versterben durch Suizid. Zirka die Hälfte der Patienten mit depressiven Störungen begehen in ihrem Leben einen Suizidversuch.
    Umgekehrt besteht bei der Mehrheit der Patienten, die Suizide begehen, ein depressives Syndrom. Der "Freitod", d. h. der im gesunden Zustand getroffene Entschluss, sich das Leben zu nehmen, kommt kaum odre nur selten vor.

  • Auch unabhängig von der Suizidalität kann z.B. bei älteren Menschen die Depression durch Rückzugsneigung ins Bett, Appetitlosigkeit oder zu geringe Flüssigkeitsaufnahme sehr rasch zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Auch ist sehr gut belegt, dass der Verlauf vieler anderer Erkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus oder der Zustand nach Herzinfarkt viel ungünstiger verläuft, wenn gleichzeitig eine Depression vorliegt.

Ein häufiger Grund für die Unterschätzung der Depression liegt darin, dass wir umgangssprachlich schon von Depressionen sprechen, wenn lediglich die Stimmung etwas gedrückt ist. Eine depressive Erkrankung besteht jedoch nicht, wenn lediglich eine gedrückte Stimmung oder Traurigkeit vorliegt, sondern es müssen weitere Symptome der Depression hinzukommen.

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Depression und Suizidalität

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nehmen sich in Deutschland pro Jahr mehr als 9.000 Menschen das Leben, wobei die tatsächliche Zahl der Suizide (Dunkelziffer) sicherlich erheblich höher liegt. Die Zahl der Suizide übersteigt demnach deutlich die der jährlichen Verkehrstoten (3).
In der Altersgruppe der 15-35jährigen steht der Suizid nach Unfällen sogar an zweiter Stelle aller Todesursachen. Die Zahl der Suizidversuche liegt ca. um den Faktor 10 höher als die der vollzogenen Suizide. Das höchste Suizidrisiko tragen ältere Männer, das höchste Suizidversuchsrisiko jüngere Frauen.

Suizidraten 2014

Abbildung 2: Suizide je 100.000 Einwohner nach Alter und Geschlecht (2014)

Ein Großteil der Suizide erfolgt im Rahmen depressiver Erkrankungen.
Circa 15 Prozent der Patienten mit schweren depressiven Erkrankungen versterben durch Suizid (5). Schätzungsweise die Hälfte der depressiv Erkrankten begehen im Laufe ihres Lebens einen Suizidversuch.

Referenzen

(1) Murray, C. J., & Lopez, A. D. (Eds.) (1996). The Global Burden of Disease: a comprehensive assessment of mortality and disability from diseases, injuries, and risk factors in 1990 and projected to 2020. Cambridge: Harvard University Press.
(2) Wittchen, H.U., Müller, N., Pfister, H., Winter, S., & Schmidtkunz, B. (2000). Erscheinungsformen, Häufigkeit und Versorgung von Depressionen. Ergebnisse des bundesweiten Gesundheitssurveys „Psychische Störungen“. Fortschritte der Medizin, 118 (Suppl. 1), 4-10.
(3) vgl. Mauerer, C., & Wolfersdorf, M. (2000). Suizide in der Bundesrepublik Deutschland. psycho, 26 (6), 315-318.
(4) Althaus, D. (2004). Das „Nürnberger Bündnis gegen Depression“. Zwischenauswertung eines depressions- und suizidpräventiven Programms nach 12 Monaten Laufzeit. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München.
(5) Angst, J., Angst, F., & Stassen, H.H. (1999). Suicide risk in patients with major depressive disorder. Journal of Clinical Psychiatry, 60 (Suppl. 2), 57-62.
 

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Stand: 03.02.2016

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