Bei Patienten mit schweren Depressionen, bei denen zahlreiche medikamentöse und psychotherapeutische Behandlungsversuche fehlgeschlagen sind, ist die Elektrokrampftherapie (EKT) das erfolgreichste Verfahren1. Ein kurzer elektrischer Stromstoß löst einen künstlichen epileptischen Krampfanfall aus. Die Behandlung wird unter Kurznarkose durchgeführt, so dass sie den Patienten nicht belastet. Zudem werden muskelentspannende Medikamente gegeben, um stärkere Muskelkrämpfe während des epileptischen Anfalls zu vermeiden. Den eigentlichen elektrischen Stimulationsvorgang und den Krampfanfall, der 20 bis 30 Sekunden dauert, bemerkt der Patient nicht. Der Patient erhält, verteilt über etwa drei Wochen, neun bis zwölf Anwendungen.
Bei der Mehrzahl der therapieresistenten Patienten kann die EKT depressive Phasen durchbrechen, die zum Teil schon seit Monaten oder Jahren andauern. Viele von ihnen erleben das Abklingen ihrer Depression nach der EKT wie das Erwachen aus einem langen Alptraum. Daran muss sich häufig eine Pharmakotherapie anschließen, um erneute Rückfälle in die Depression zu verhindern.
Neue Techniken konnten die Nebenwirkungen und Risiken deutlich senken. Es bleibt das Narkoserisiko, die Gefahr von Blutdruckschwankungen und vorübergehenden Gedächtnisstörungen. Diese Risiken müssen jedoch vor dem Hintergrund der Lebensgefährdung und dem tiefen Leiden, das eine schwere therapieresistente Depression verursacht, gesehen werden. Die EKT steht in Deutschland in vielen Fachkliniken nicht zur Verfügung. Die Gründe hierfür liegen jedoch meist mehr in der Sorge wegen des schlechten Rufs der EKT in der Öffentlichkeit als in begründeten Zweifeln an der Wirksamkeit. Die Medizin sollte sich jedoch am Wohle des Patienten und nicht am öffentlichen Ruf orientieren.
1Frey, R., Schreinzer, D., Heiden, A., & Kasper, S. (2001). Einsatz der Elektrokrampftherapie in der Psychiatrie. Nervenarzt, 72(9), 661-676.