Freitag, 3. April 2009

Studie der Universität Leipzig zur Nutzungsweise von Selbsthilfeangeboten im Internet zeigt, dass Internetforen von depressiv Erkrankten intensiv und parallel zur professionellen Behandlung genutzt werden.

In den letzten Jahren hat sich das Online-Diskussionsforum des Deutschen Bündnisses gegen Depression und des Kompetenznetzes Depression/Suizidalität zum größten deutschsprachigen Internetangebot für depressiv Erkrankte entwickelt. In dem professionell moderierten Selbsthilfeforum wurden mittlerweile über 160.000 Postings von ca. 9000 registrierten Nutzern verfasst. Etwa 150 Beiträge gelangen täglich hinzu. Schätzungen zufolge nutzen etwa zehn Mal so viele Nutzer das Forum passiv als Informationsquelle.

Um mehr über den Nutzen, aber auch über Risiken eines solchen Online-Angebots zu erfahren, erfolgte eine umfangreiche telefonische Befragung mit strukturierten diagnostischen Interviews bei einer zufällig ausgewählten Nutzergruppe (N=55).

Bei 94,5 % der Nutzer wurde die Diagnose einer depressiven Erkrankung gestellt, 90,2 % waren bereits wegen einer Depression in ambulanter psychiatrischer  Behandlung.

Mehr als 60 % der Befragten gaben an, dass durch die Teilnahme am Online-Diskussionsforum das Vertrauen in eine medizinische Behandlung gestiegen sei und sie sich ermutigt fühlten, professionelle Hilfe in Anspruch  zu nehmen.

Als positive Veränderungen durch die Nutzung wurden am häufigsten die Verbundenheit mit anderen Betroffenen und eine bessere Akzeptanz der Erkrankung angegeben. 82 % der befragten Nutzer waren Frauen.

Insbesondere vor dem Hintergrund skeptischer Stimmen zu der Rolle des Internets für die vulnerable Gruppe der Menschen mit psychischen Erkrankungen und der Sorge vor einer Nutzung dieses Angebots als Alternative zu professionellen Behandlungsmöglichkeiten erscheint dieses Ergebnis besonders bedeutsam.

Die Studie lieferte Hinweise darauf, dass das Forum von seinen Nutzern als Ergänzung zu professioneller Behandlung - und nicht als Alternative im Sinne der alleinigen Selbsthilfe -gesehen wird. Das Finden von Informationen sowie Unterstützung  und Verständnis bezogen auf das spezifische Krankheitsbild scheinen die Erwartungen zu sein, die die Nutzer des Diskussionsforums als erfüllt sehen.

Das Online-Forum ist im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Kompetenznetzes Depression, Suizidalität und des Deutschen Bündnisses gegen Depression aufgebaut worden und wird unter dem Dach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe mit finanzieller Unterstützung durch die Selbsthilfefördergemeinschaft des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen e.V. / Arbeiter-Ersatzkassen Verband e.V. (VdAK /AEV) weitergeführt.

Blume, Anne; Mergl, Roland; Niedermeier, Nico; Kunz, Jörg, Pfeiffer-Gerschel, Tim; Karch, Susanne; Havers, Inga; Hegerl, Ulrich (2009): Evaluation eines Online-Diskussionsforums für an Depression Erkrankte und Angehörige – eine Untersuchung zu Motiven und Auswirkungen der Teilnahme, Neuropsychiatrie, 23(1), 42-51.

www.buendnis-depression/forum

http://www.kompetenznetz-depression.de/

www.deutsche-depressionshilfe.de

 


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Steigende Bedeutung von Online-Diskussionsforum für depressiv Erkrankte